Berlin : Ein langes Leben für die Berliner Politik Ella Barowsky starb im Alter von 95 Jahren

Sie trug praktisch alle Auszeichnungen, die Berlin zu vergeben hatte, war Ehrenvorsitzende der Berliner FDP, engagiert und politisch aktiv bis ins hohe, ja höchste Alter: Ella Barowsky, die ehemalige Schöneberger Bezirksbürgermeisterin. Am gestrigen Dienstag ist sie, 95-jährig, in Berlin gestorben.

Die zierliche Frau mit dem charakteristischen Hütchen, ihrer Erscheinung zum Trotz auch „Big Ella“ genannt, war eine Berliner Institution – vermutlich die letzte Politikerin, die noch aktiv am Wiederaufbau Berlins nach dem Krieg beteiligt war. Als promovierte Nationalökonomin und LPD- Stadtverordnete stieg sie rasch zur Rechnungsdirektorin im Schöneberger Bezirksamt auf, war maßgeblich an der Umsetzung der Währungsreform und der Einführung der Westmark in den Westsektoren beteiligt und amtierte von 1951 bis 1955 als Bürgermeisterin. Später war sie Stadträtin in Wilmersdorf, saß als Exponentin des linksliberalen Flügels ihrer Partei lange im Abgeordnetenhaus, war Direktorin des Lette-Vereins und führend tätig in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und wurde 1977 zur Stadtältesten ernannt.

Zu ihren runden Geburtstagen kamen stets die Granden der Bundes-FDP. Mit 88 hielt sie die Festrede zum 50. Jubiläum der Freiheitsglocke, deren Einweihung sie wegen einer Erkrankung verpasst hatte. Kurz darauf kämpfte sie für das Volksbegehren zur Neuwahl nach dem Bankenskandal, energisch, klarsichtig, stets druckreif formulierend, ein wandelndes Lexikon der Berliner Nachkriegsgeschichte. Parlamentspräsident Walter Momper hat ihr zum 90. Geburtstag noch einen besonderen Ehrentitel gewidmet: „Ein Juwel unserer Stadt.“ bm

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