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Berlin : Ein Leben, das ein Kunstwerk war

03.03.2007 00:00 UhrVon Bernd Matthies

In Berlin geboren, in die USA geflüchtet, als Soldat zurückgekehrt und als Sammler geblieben. Der Abschied von Heinz Berggruen

Fast ein Staatsakt. Es waren nicht umgewöhnlich viele Berliner, 250 ungefähr, die am gestrigen Donnerstag zur Trauerfeier für Heinz Berggruen nach Dahlem gekommen waren – aber die bedeutendsten waren da. Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Klaus Wowereit, Richard von Weizsäcker, viele Abgeordnete, dazu die erste Kulturliga der Stadt; sie alle kondolierten Berggruens Frau Bettina und der Familie. Der Abschied von Berggruen, dem Berliner Ehrenbürger und großherzigen Mäzen, bewegte alle Trauergäste in dieser weltlichen Feier unter dem Kreuz der Kapelle auf dem Waldfriedhof.

Das Auryn-Quartett umrahmte mit langsamen, wehmütigen Sätzen von Beethoven, Webern und Schönberg. Heinz Berggruen war am 23.Februar in Paris im Alter von 93 Jahren verstorben.

Wer beim Abschied eine solche Folge allerhöchster Ehrentitel auf sich vereinigen kann, der hat richtig gelebt. „Eine moralische Institution von internationalem Rang“ nannte Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, den verstorbenen Kunstsammler, „wir haben ihn alle sehr geliebt“. Der Aufstieg Berlins zur internationalen Museumsstadt wäre ohne Berggruen so nicht möglich gewesen, sagte er, „er hat ein Leben für die Kunst gelebt, das selbst ein Kunstwerk war.“ Berggruen sei ein Amerikaner durch Notwendigkeit, ein Berliner durch Geburt und ein Pariser durch Neigung gewesen. Das letzte Treffen zwischen Schuster und Berggruen fand in der Halle eines Züricher Hotels statt – der Sammler hatte dem Museum gerade eine Skulptur von Alberto Giacometti, die „große stehende Frau“ geschenkt. Man diskutierte darüber, ob dies ein Abschiedsgeschenk sei, und einigte sich auf die optimistische Formulierung: zum Abschied aus der aktiven Arbeit im Museum. „Ein Herr verließ die Lobby, ein Abschied, den man nicht vergisst“, sagte Schuster.

Klaus Wowereit sagte: „Die deutsche Hauptstadt trauert, und mit ihr das ganze Land.“ Er erinnerte an das Leben Berggruens, der 1914 in Berlin geboren wurde, 1936 nach Amerika emigrierte, dann als US-Soldat nach Europa zurückkehrte und nach dem Krieg in Paris zum wichtigsten Kunsthändler und Kunstsammler der klassischen Moderne wurde. Diese überragende Sammlung mit zahlreichen Werken von Picasso, Klee, Matisse und anderen berühmten Künstlern, die er 1996 seiner Heimatstadt Berlin überließ, füllt nun den Stüler-Bau in Charlottenburg, wo Berggruen bis kurz vor seinem Tod Direktor und Fremdenführer in Personalunion war. „Plötzlich war er da, manchmal sogar in Pantoffeln – und begann, eines seiner Bilder zu erläutern“, erinnerte sich Wowereit, „er war ein großer Menschenfreund, ein großer Freund der Kunst“, dessen großer Wunsch einfach gewesen sei: „Berlin muss leuchten!“ Zum Schluss sprach er den Toten persönlich an: „Sie haben uns die Hand zur Versöhnung gereicht, und wir haben sie dankbar ergriffen. Adieu, Heinz Berggruen.“

Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, schilderte persönliche Erlebnisse. „Mein Berlin begann mit Heinz Berggruen“, sagte er, „beruflich wie emotional.“ Berggruen sei ein Mann der leisen Töne und der feinen Ironie gewesen, der sein Urteil ebenso stilvoll wie klar formuliert habe. In der Sammlung spiegele sich nicht nur sein „absolutes Auge“, sondern seine Seele. Lehmann erinnerte daran, mit welcher Zuneigung und großen Sympathie Berggruen in Berlin begrüßt wurde, ganz gleich, wo er erschien, in Restaurants oder auf öffentlichen Veranstaltungen: „Er war schon Ehrenbürger, bevor er Ehrenbürger wurde.“ Der mäzenatische Verkauf der Sammlung an Berlin sei nicht ohne „tiefen Trennungsschmerz“ erfolgt, sagte Lehmann: „Er kannte die Mühen der Ebene ebenso wie die Leichtigkeit des Seins.“ Für den ehemaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann, der an den Verhandlungen über den Umzug der Sammlung nach Berlin maßgeblich beteiligt war, war Berggruen ein „leidenschaftlicher Kosmopolit“, der sich dennoch in den letzten Jahren auf den heimatlichen Straßen Charlottenburgs und Wilmersdorfs bewegt habe, „als sei er nie fort gewesen.“ Die Existenz des „großartigen Manns“ habe wie ein Brückenschlag gewirkt, und seine Fähigkeit, sein Glück mit anderen zu teilen, habe ihn über alle anderen hinausgehoben; als Sammler stehe er für die Kunst der Reduktion auf das Beste. „Wer den Wurzeln des Wortes Bildung nachspüren wolle – sich also ein Bild zu machen – , der tat gut daran, die Nähe Heinz Berggruens zu suchen“, sagte Naumann.

Die persönlichen Schlussworte sprach Olivier Berggruen, der Sohn des Toten. Er endete mit einem Fontane-Gedicht, „es liegt kein Grund zum Zanken vor, doch sehr viel Grund zum Danken.“ Der mit weißen, gelben und roten Rosen bedeckte Sarg wurde dann den kurzen Weg von der Kapelle bis zum Ehrengrab getragen. Dort spielte der Trompeter William Forman leise Melodien.

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