Berlin : Ein lebendes Lexikon

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Für die Geschichten, die Auguste Dänicke erzählen kann, gehen andere in die Bibliothek, um sie in großen Heimatkunde-Büchern nachzulesen. Sie ist so etwas wie ein lebendes Lexikon, zumindest, was den Bezirk Prenzlauer Berg angeht. Auguste Dänicke ist nämlich am Donnerstag 105 Jahre alt geworden. In Ostpreußen geboren, als Drittjüngste von sieben Geschwistern, zog sie 1908 hierher, in die Schliemannstraße. Damals gehörte der Bezirk mit den das Stadtbild bestimmenden Mietskasernen noch gar nicht offiziell zu Berlin. Das war erst 1920 soweit, da wohnte Auguste Dänicke bereits seit sieben Jahren in ihrer Wohnung in der Lychener Straße, in der sie insgesamt 75 Jahre lebte. Selbstredend hat sie auch alle anderen Lebensstationen in Prenzlauer Berg erlebt, angefangen mit ihrer Konfirmation in der damals ganz neuen Senefelder Kirche. Die beiden Kriege konnten sie nicht aus Prenzlauer Berg vertreiben, auch nicht das familiäre Schicksal, das sie zu verkraften hatte: Im Zweiten Weltkrieg fiel ihr einziger Sohn, kurz nach dem Krieg starb ihr Mann. Trost und Stärke fand sie immer wieder in ihrer Religiosität, die sie auch in der DDR aktiv lebte. Eine lebensfrohe Frau ist sie geblieben, auch eine, die immer als hilfsbereit gilt. 1987, zu ihrem 90., bekam sie eine Glückwunschkarte von Erich Honecker, aber Politik, sagt sie heute, hat sie noch nie interessiert. 1988 zog sie schließlich in das St.-Elisabeth-Stift in der Eberswalder Straße. Ihren Ehrentag feierte sie gestern zunächst mit einer Andacht und einem kleinen Konzert für Klavier und Geige. Freunde, Heimbewohner und ihre Familie gratulierten. aah

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