Berlin : Ein Lied soll um die Welt

Wer darf beim Grand Prix für Deutschland singen? Für die deutsche Vorentscheidung wird in der Arena in Treptow im Augenblick pausenlos gearbeitet. Am Freitagnachmittag ist Generalprobe mit allen Kandidaten, am Abend dann wird die Kür live vom Fernsehen übertragen. Was man dafür wissen muss, steht hier

Juris Lempfert

Heute Abend entscheidet sich, mit welchem Lied Deutschland am 15. Mai beim Grand-Prix-Finale in Istanbul vertreten ist. Zehn Bands treten in der Arena in Treptow gegeneinander an, live übertragen von der ARD. Wer gewinnt, bestimmen die Fernsehzuschauer per Telefon und SMS. Selten gab es in der 46-jährigen Geschichte des Grand Prix so viele Neuerungen wie in diesem Jahr. Hier ein Überblick.

Die Show: Wo Grand Prix draufstand, war bisher vor allem Schlager drin: Nicole, Michelle oder Corinna May zogen nach einem Sieg beim Vorentscheid für Deutschland ins Finale – mit mehr und mit weniger Erfolg. Mit ihren Klamauk-Songs setzten sich 1998 Guildo Horn („Guildo hat Euch lieb“) und 2000 Stefan Raab (Wadde hadde dudde da?“) im Vorentscheid durch. Sie verdoppelten dabei zwar die Zuschauerzahlen auf über zehn Millionen, eine wirkliche Siegchance hatten sie gegenüber der internationalen Konkurrenz aber nie. In diesem Jahr sollen deshalb beim Vorentscheid nur noch Musiker gegeneinander antreten, die auch im internationalen Finale eine Chance auf einen Sieg haben. Mit den neuen Bezeichnungen „Germany 12 Points“ für den Vorentscheid und „Eurovision Song Contest“ für das Finale in Istanbul will der für die Organisation verantwortliche NDR das neue Konzept unterstreichen. Viele Fans sprechen aber weiter vom „Grand-Prix-Vorentscheid“ und „Grand-Prix-Finale“.

Die Regeln: Jedes Land kann selbst bestimmen, wie es seine Musiker für das Finale auswählt. In diesem Jahr konnten alle großen Plattenfirmen Musiker nominieren. Bedingung allerdings: die Musikvideos der Bands mussten vorher auf Viva laufen – was unbekannte Nachwuchsbands oder Schlagersänger praktisch ausschloss. Die Titel dürfen außerdem nicht vor dem 1. Oktober 2003 veröffentlicht worden und nicht länger als drei Minuten sein.

Die Teilnehmer: Nur die Hälfte der Teilnehmer, die in Istanbul für Deutschland an den Start gehen wollen, singt auch auf Deutsch. Zu ihnen gehören die Berliner Band Mia („Hungriges Herz“), die ehemalige Background-Sängerin von Oli P., Tina Frank („Ich schenk Dir mein Herz“), der deutsch-irakische Soul-Pop-Sänger Laith Al-Deen („Höher“) sowie die Hessen-Rapperin Sabrina Setlur („Liebe“). Die deutsche Techno-Pop-Band Scooter („Jigga Jigga“) singt – wie der Rest – Englisch. Mit der Boygroup Overground („Der letzte Stern“) und dem Schweizer Patrick Nuo („Undone“) treten heute Abend auch zwei Gewinner von Casting-Shows an. Das Mädchenduo Wonderwall wird mit „Silent Tears“ eher härtere Töne anstimmen, gleiches gilt für den Techno-DJ Westbam mit „Dancing with the Rebels Low Spirit“. In die Teilnehmerliste nachgerückt ist noch Maximilian. Der Gewinner eines Castings in der Fernsehshow von Stefan Raab schaffte es, seinen Song „Can’t wait Until Tonight“ gerade noch rechtzeitig in den Charts zu platzieren.

Die Abstimmung: Die Zuschauer bestimmen den Sieger per Telefon oder SMS. Die Abstimmungsgeräte können pro Minute bis zu 100000 Anrufe und 40000 SMS annehmen. In zwei Wahlgängen werden erst die beiden besten Bands und dann der Sieger ermittelt.

Die Moderatoren: Die Berliner MTV-Moderatorin Sarah Kuttner (26) und die ARD-Allzweckwaffe Jörg Pilawa (36) moderieren die Show. Kuttners Favorit: die Berliner Band Mia. Jörg Pilawa – inzwischen beim Fernsehpublikum beliebter als Thomas Gottschalk –, wollte noch keinen Tipp abgeben.

Den Eurovision Song Contest-Vorentscheid in Berlin („Germany 12 Points“) sendet die ARD heute Abend live ab 20.15 Uhr. Mehr Informationen: www.eurovision.de

Den Grand Prix auf Großleinwand gibts im Sonntags-Club an der Greifenhagener Straße 28 in Prenzlauer Berg (Eintritt frei) oder im Schwulen Zentrum (Schwuz), am Mehringdamm 61 in Kreuzberg (vier Euro).

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