Berlin : Ein Mahnmal wird gefeiert

Nur nicht zu viel Bedeutung: Architekt Peter Eisenman widmet den Bauarbeitern das heutige Richtfest der Holocaust-Gedenkstätte

Claudia Keller

Peter Eisenman hat seine Baustelle gut im Blick. Täglich schicken ihm die Berliner Mitarbeiter Fotos nach New York, die den Baufortschritt auf dem 19000 Quadratmeter großen Gelände des Holocaust-Mahnmals dokumentieren. Und was der Architekt darauf sieht, gibt ihm allen Grund, sich auf das heutige Richtfest zu freuen: Mehr als die Hälfte der 2751 Stelen stehen, der Rohbau des unterirdischen Informationszentrums ist fertig, die Pflasterarbeiten haben begonnen – und das alles im geplanten Kostenrahmen. Bis Ende des Jahres soll das Stelenfeld fertig sein.

Für den 9. Mai 2005 ist die Eröffnung geplant. „Am liebsten wäre mir, das Denkmal würde schon früher eröffnet“, sagte Eisenman vergangene Woche, „nicht zusammen mit den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes.“ Zum einen glaubt er, dass es schon früher fertig ist. Zum anderen fürchtet er die Dimension des Staatsaktes zu diesem runden Jubiläum mit Würdenträgern aus vielen Ländern. Das Zeremoniell könnte das Mahnmal mit Bedeutung überfrachten. Ohnehin werde das Stelenfeld noch Kontroversen auslösen, meint der Architekt. Die fürchtet er allerdings nicht, sondern freut sich auf sie. Er möchte, dass die Betrachter beim Anblick des Stelenfeldes ins Grübeln kommen. Bestimmt werde es auch die Frage geben, ob das Mahnmal jüdisch genug sei. „Aber ich bin ein Architekt, der zufällig Jude ist, ich bin kein jüdischer Architekt“, sagt Eisenman. Beim Richtfest heute gehe es erst einmal darum, den Bau, die Arbeiter und die beteiligten Baufirmen zu feiern. Sie hätten es geschafft, einen ganz speziellen Beton zu kreieren. Sie stellten jede Stele mit einem eigenen Neigungswinkel auf.

Peter Eisenman und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Vorsitzende der Denkmalstiftung, werden Reden halten, ebenso Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und die Chefs der Baufirmen. Auch Vertreter des Förderkreises um Lea Rosh, die sich seit 1988 für das Denkmal einsetzt, nehmen teil. Schließlich wird ein Richtkranz aufgezogen – wie bei jedem normalen Richtfest. Für einen Moment wird man vergessen, dass, was hier entsteht, nie ein ganz normaler Bau sein wird.

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