Berlin : Ein Mann, ein Pelz

Aus dem Stehgreif: Robin Williams und Jude Law auf der Berlinale

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So soll es sein: Die eine oder andere Filmgröße hat vielleicht keinen besonderen Anlass, zur Berlinale zu kommen – doch sie kommt trotzdem. Heute ist es Claudia Cardinale, wie das Festival gestern mitteilte. Vor zwei Jahren wurde sie noch mit einem Goldenen Bären geehrt, diesmal reist sie nur so zum Spaß her.

Kurz bevor das Festival auf seine Zielgerade einschwenkt, zeigt das Glamourbarometer noch einmal heftige Ausschläge. Gleich zwei OscarPreisträger auf einmal! Robin Williams und Mira Sorvino, von Regiedebütant Omar Naïm in seinem Socialfiction-Film „The Final Cut“ erst auf die Leinwand und nun aufs Podium im Pressezentrum gebracht – zur garantiert komischsten und unterhaltsamsten Preessekonferenz dieses Festivals. Im Film gibt es nicht viel zu lachen, das musste wieder wettgemacht werden. Kein Problem für Robin Williams. Er kann zwar auch anders, erzählt ganz ernsthaft von seiner Rolle, der Verantwortung des Schauspieler, all solche Sachen. Aber als Stehgreif-Komödiant fühlt er sich offensichtlich wohler, springt zwischen Witzen über George W. Bush, Janet Jacksons „Nippel-Brosche“ und das Anti-Faltenmittel Botox hin und her. Jeder wird hier individuell bedient, die australische Kritikerin („Wo ist Ihr Krokodil?“) wie die Reporterin eines US-Society-Magazins, der er den behaarten Unterarm vorweist („Viele Leute tragen Pelz. Ich bin Pelz.“). Seine schärfste Kritikerin? „Meine Frau – besonders wenn ich nackt bin.“

Kurz vorher hatte sich ein anderer der Presse gestellt, der seinen Auftritt am Eröffnungstag versäumt hatte: Jude Law. Mit strubbeligen Haaren, süßem Lächeln und braunem Anzug saß er auf dem Podium im Meistersaal an der Köthener Straße. „Ich wäre liebend gerne beim Eröffnungsabend da gewesen. Es tut mir leid“, entschuldigte er sich für sein Fehlen. „Ich habe gerade gedreht“, sagte der 31-Jährige, der wie auch Nicole Kidman vergeblich auf dem Roten Teppich erwartet worden war. Seine Abwesenheit habe nichts mit der Oscar-Nominierung zu tun, sagt Law. Er spielte damit auf das Dinner der Oscar-Kandidaten an, das in diesem Jahr mit der Berlinale zusammenfiel. „Ich hoffe, man bekommt die Nominierung nicht fürs Herumstehen auf einer Cocktail-Party, sondern für seine schaupielerische Leistung.“ In „Cold Mountain“, dem Eröffnungsfilm des Festivals, spielt er den jungen Inman, der nach drei Jahren im amerikanischen Bürgerkrieg desertiert und zu seiner Liebe Ada (Nicole Kidman) zurückkehrt. Viel gelesen hat er für den Film – beispielsweise in Homers Odyssee. „Ich glaube, auch im Leben sind wir alle auf der Reise.“ Sprach’s und entschwand. Der Chauffeur wartete schon. ac/cof

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