Berlin : Ein Mann sieht Müll

Er wartet noch auf seine Uniform. Dann fegt Joachim Eck los – als Berlins erster privater Straßenwart

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Es ist Freitag kurz vor Jobantritt und Joachim Eck bringt nur mühsam ein Lächeln fürs Foto zustande. Schuld ist die Kleiderfrage. Er muss in Zivil Dienst tun. Seine versprochene rote Uniform ist nicht fertig geworden. Dabei hätte der 63Jährige sie so gern angezogen – wenigstens heute, wo vom Nachmittag an bis in den frühen Morgen von vielen Laden- und Geschäftsanliegern die „Magistrale“ gefeiert wird, die „Kulturnacht in der Potsdamer Straße“. Dort liegt das neue Einsatzgebiet von Joachim Eck: Er ist Berlins erster privater Straßenwart.

Der Frührentner und ehemalige Baggerfahrer soll es schaffen, dass die Potsdamer Straße zwischen Bülowstraße und Schöneberger Ufer sauberer wird. Mit einem Kehrwagen wird er täglich unterwegs sein, die Bürgersteige und Hauseinfahrten inspizieren, auf Leute achten, die Müll wegwerfen oder dies im Schilde führen. Sie sollen bei seinem Anblick ein schlechtes Gewissen bekommen – was ihm gelingen wird, wenn er sein Nicht-ohne-meine-rote-Uniform-Gesicht aufsetzt. Er wird seinen kritischen Blick auf das wenige Grün und die Baumscheiben richten, die demnächst bepflanzt werden, er wird ganz genau auf die Fassaden achten und Schmierereien sofort melden. Zwar ist natürlich auch die Stadtreinigung am Ort, und auch der Kontaktbereichsbeamte der Polizei schaut immer wieder vorbei. Aber Hauseigentümer und das Quartiersmanagement finden, dass die Straße unter den kritischen Augen eines Straßenwartes sauberer und schöner werden kann. Von seiner Präsenz versprechen sie sich ein kleines Wunder: mehr Anziehungskraft für künftige Investoren. Bezahlt wird Joachim Eck vom „Stadtpalais Berlin“ in der Potsdamer Straße 98. Mit seinem prachtvoll restaurierten Altbau wollte der Hamburger Kaufmann Jürgen Laesecke schon vor vier Jahren die Straße beispielhaft aufwerten. Das ist nur zum Teil gelungen. Die Nähe zum Potsdamer Platz zahlte sich bisher nicht aus. Viele Geschäfte stehen leer. Ralph Hänig, geschäftsführender Gesellschafter der Stadtpalais-Berlin-Liegenschaftsverwaltung, hatte unter mehr als 50 Bewerbern zu entscheiden. Joachim Eck aus Kreuzberg, der so bärbeißig dreinblicken kann, schien am geeignetsten. „Ich bin verträglich, mit mir kann man sich unterhalten“, versichert der.

Spätestens Mittwoch soll die Uniform fertig sein – eigentlich nur eine rote Latzhose mit rotem Basecap. „Straßenwart Potsdamer Straße“ wird draufstehen. Dann kann Joachim Eck so richtig losfegen. C.v.L.

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