Berlin : Ein Mann will nach oben

Klaus Wowereit möchte umziehen. Am liebsten hätte er eine Wohnung mit Dachterrasse

Matthias Oloew

Wer etwas auf sich hält, wohnt oben. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle zum Beispiel tut es. Aber auch Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, der CDU-Finanzpolitiker Peter Kurth und Friseur Udo Walz tun es. Sie alle haben den Weitblick, weil sie unterm Dach wohnen. Und unser Regierender Bürgermeister? Der wohnt in einer ruhigen Reihenhaussiedlung in Lichtenrade, in dem Haus, das ihm seine verstorbene Mutter hinterlassen hat. Jetzt will er am liebsten alles stehen und liegen lassen und auch nach oben ziehen. „Ich suche eine Dachetage mit schönem Blick“, sagte er schon vor Wochen in kleiner Runde. In der TV-Sendung „Zimmer frei“ wiederholte er nun seinen Wunsch.

Da dürfte doch etwas zu finden sein, sollte man meinen, wo doch in Berlin viele Wohnungen leer stehen. Unter dem einen oder anderen Dach ist bestimmt eine Kemenate für den Regierenden frei, der gerade aus Buenos Aires zurückgekehrt ist. Allein, es fehlt ihm an der Zeit, sich etwas Hübsches herauszusuchen. Stattdessen schaute sich Wowereit vor einiger Zeit vier Stunden lang Plattenhochhäuser in Lichtenberg und Hohenschönhausen an. Das Panorama von dort oben könnte passen, aber es ist zu weit weg zum Arbeitsplatz.

Die Nähe zum Roten Rathaus, zum Abgeordnetenhaus und den wichtigsten Party-Plätzen der Berliner Feier-Schickeria ist also gefragt. Das kann nur bedeuten: In Mitte soll das neue Bürgermeister-Domizil liegen. Am Leipziger Platz zum Beispiel. Wowereit zögert: „Das muss ich mir auch leisten können.“ Auch der Regierende Bürgermeister muss rechnen, und die Preise am Leipziger Platz sind nur etwas für die ganz Betuchten. Und dazu zählt er wohl nicht. Berlin ist ärmer dran als gedacht.

Ach ja, die Geldfrage. Wowereit plant, sein Häuschen in Lichtenrade zu verkaufen, natürlich meistbietend und zu einem vernünftigen Preis. Doch er weiß, dass bei der Lage am Immobilienmarkt da kein gutes Geschäft zu machen ist. Und ohne Verkauf kann und will der Regierende nicht einfach so Hunderttausende für eine neue Wohnung ausgeben.

Da bleibt nur: abwarten und weiterträumen. Von einer Dach-Maisonette mit offener Show-Küche, inklusive High-Tech- Herd mit Ceranfeld und einem großen Esszimmer für einen Tisch, an dem bis zu zwölf Personen Platz haben. Einen großen Kühlschrank, in dem problemlos mehrere „Charlotte Lorraine“ à la Wowereit übereinander stehen können. Dann eine Wendeltreppe, die, an den Gemächern mit Dachfenstern und freiem Blick in den Nachthimmel vorbei, aufs Dach mit möglichst unverbaubarem Blick führt. Hier oben könnte Wowereit dann standesgemäß Rotwein servieren. So lange das mit dem eigenen Dach noch nichts ist, muss er eben mit dem Roten Rathaus Vorlieb nehmen, wenn er auf Berlin runtergucken will. Für den Übergang ist das ja auch nicht schlecht.

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