Berlin : Ein Maßstab für das Leben

Plädoyer für verbindlichen Religionsunterricht mit der Wahlalternative Ethik Von Nicolas Zimmer

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In den letzten Wochen haben uns die Debatten um werteorientierten Unterricht gezeigt, dass die bisherige Schulpolitik versagt hat. Der Mord an Hatun Sürücü und die Reaktionen von Schülerinnen und Schülern haben uns, im Übrigen durch alle politischen Lager, tief bewegt.Wir sind uns einig: In den Berliner Schulen werden nicht ausreichend Werte vermittelt, Prinzipien, die für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft grundlegend sind. Stattdessen finden wir dort Vorurteile, Unverständnis und Ausgrenzung.

Deswegen müssen wir einen verbindlichen Religionsunterricht mit der Wahlalternative Ethik/Philosophie einführen. Vor allem junge Menschen brauchen einen Maßstab für ihr Leben, der ihnen Urteilsvermögen und die Fähigkeit zur Selbstbestimmung gibt. Ich bin mir sicher, dass ein Fach Lebenskunde/Ethik/Religion (LER), wie man am Beispiel Brandenburgs sieht, dazu nicht in der Lage ist. Ein buntes Sammelsurium von Weltanschauungen, wie es LER vermittelt, kann keine gefestigte Basis für die Entwicklung einer eigenen Moral bieten. Dass der Senat mit seinem Konzept nur an der Oberfläche bleiben möchte, hat seine Gründe. Er lehnt aus ideologischen Gründen einen christlichen Religionsunterricht ab und versucht ihn mit der Einführung von LER faktisch aus den Schulen zu drängen. Dabei ist die permanente Reduzierung des christlichen Religionsunterrichts durch SPD und PDS auf einen Bibelkurs falsch und unangemessen. Denn es geht nicht nur um Vermittlung des christlichen Glaubens, sondern um aktive Auseinandersetzung mit ihm, anderen Religionen und der Ausformung eines eigenen Weltbildes.

In Berlin nehmen zurzeit rund 115000 Schüler am freiwilligen Religionsunterricht teil, und zwar auch konfessionslose. Der Religionsunterricht wird von gut qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern mit großem Engagement erteilt. Das hohe pädagogische Niveau des Unterrichts steht außer Frage. Der Religionsunterricht kostet den Staat weniger als jedes andere Fach, weil sich die Religionsgemeinschaften wesentlich an den Kosten beteiligen.

Mit der Einführung eines Pflichtfaches Religion/Ethik wird auch eine staatliche Qualitätskontrolle des Unterrichts anderer Religionsgemeinschaften möglich. Wo bisher nur hinter verschlossenen Türen Islamkunde erteilt wird, muss künftig die Ausbildung von islamischen Religionslehrern an deutschen Universitäten stattfinden. Gerade die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt, dass der Handlungsbedarf hier am größten ist.

Ein Fach LER wäre nur die Fortsetzung des wertefernen Unterrichts unter einem anderen Namen. Wenn wir unseren Kindern in den Schulen ein moralisches Fundament geben wollen, brauchen wir das Wahlpflichtfach Religion/Ethik.

Der Autor ist Vorsitzender der CDU- Fraktion im Abgeordnetenhaus.

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