Berlin : Ein Milchkaffee für die Liebe

Jeden Sonntag treffen sich Singles zum Date beim Frühstück

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Gedämpftes Licht flutet durch die Lounge des Cafés „Albert’s“, die Tische sind weiß gedeckt, LatinRhythmen dringen aus den Boxen. Ein Ort ideal zum Anbändeln, allerdings nicht auf die übliche Tour: Statt sich auf der Suche nach dem Partner fürs Leben die Nacht in Clubs um die Ohren zu schlagen, reichen sich hier 30 Männer und Frauen lieber Brötchen und Latte Macciato: Willkommen beim Frühstückstreff für Singles. „Ich habe keine Lust mehr, in Discos ständig schräg angebaggert zu werden“, erzählt Heike.

Was vor zwei Jahren begann, hat mittlerweile Einzug gehalten in 23 deutschen Städten: Frühstückstreffs liegen im Trend. Die Idee ist schon fast zu einfach und wahrscheinlich deshalb so erfolgreich. Am letzten Sonntag im Monat trifft man sich zum Buffet-Brunch in jeweils einem anderen Café, dessen Adresse Monate im Voraus auf der vereinseigenen Internetseite steht. Die Anmeldung kostet nichts.

„Das lockert die Atmosphäre auf. Denn niemand fühlt sich zu etwas verpflichtet“, sagt Jacqueline Fiebig, die in Berlin die Frühstückstreffs betreut. Wer ohnehin im Café sitzt, kann spontan dazukommen. Der Frühstückstreff ist grundsätzlich offen für jeden. „Deshalb fühlen sich die Singles auch nicht vorgeführt.“ Heike, noch nicht lange solo, ist zum ersten Mal dabei. Unruhig wandern ihre Augen hin und her, von Nachbar zu Nachbar. Doch die verwickeln sie nach wenigen Minuten in ein Gespräch, das nicht mit der Floskel „Hast Du mal Feuer?“ anfängt. Aufgesetztes Balz-Gehabe ist fehl am Platz. „Wo sitzen schon mal so viele Leute im gleichen Alter zusammen, die man ansprechen kann, ohne das groß begründen zu müssen?“, sagt die 38-jährige Unternehmensberaterin. „Außerdem ist das gut gegen meinen Liebeskummer.“ Das Erfolgsgeheimnis des Frühstückstreffs erklärt sich Jacqueline Fiebig so: „Am Sonntagmorgen ist jeder unverstellt. Niemand muss sich inszenieren oder großartig herausputzen wie vor der abendlichen Pistentour.“ Außerdem seien in dieser Atmosphäre Berufe und Prestige nicht so wichtig.

„Für mich ist das ein zweiter Freundeskreis geworden“, erzählt Matthias aus Schönefeld. „Und wenn man nichts mehr zu erzählen weiß, kann man ja noch in sein Brötchen beißen.“ Weil der 34-Jährige als Pilot bei der Lufthansa arbeitet, ist er ständig unterwegs. „Wer das Wochenende nicht allein verbringen will, findet hier den idealen Rahmen, um Stadt und Leute kennen zu lernen.“ Der Frühstückstreff organisiert auch Ausflugstouren oder Museumsbesuche. Dabei hat Matthias seine Freundin Andrea gefunden. Die beiden sind das erste Berliner Frühstückstreff-Paar, im Frühjahr ziehen die beiden zusammen nach Düsseldorf, wo die 32-Jährige als Industriekauffrau arbeitet.

„Auf Single-Parties hat man den Druck, unbedingt mit jemanden flirten zu müssen“, erzählt Stefan aus Treptow. Seit Sommer vergangenen Jahres isst und klönt er regelmäßig mit. „Was soll ich denn sonntags allein vor meinem Toaster sitzen?“. Eine Freundin hat er durch den Treff noch nicht gefunden. „Aber mit den Leuten hier kann ich auch mal was Neues unternehmen. In meinem Bekanntenkreis hat jeder seine Hobbies.“

Gegen 15.30 Uhr verteilt Jacqueline noch rasch eine Adressenliste. Die Reihen lichten sich. Eine Gruppe geht nebenan ins Kino International, die anderen brechen in den sonnigen Nachmittag auf. Mit einem wohligen Gefühl im Bauch. Und weniger Herzschmerz. dpa

Anmeldung und Termine unter der Adresse www.fruehstueckstreff-berlin.de . Nächstes Treffen ist am am 27. April ab 11 Uhr im „Tomasa 3“, Salzburger Straße 19, Schönebe rg.

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