• Ein Mordkomplott und „leicht verdientes Geld“ 61-Jährige soll einen Killer für ihren Mann angeheuert haben

Berlin : Ein Mordkomplott und „leicht verdientes Geld“ 61-Jährige soll einen Killer für ihren Mann angeheuert haben

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Ihr Bild hängt noch in seiner Werkstatt. Und für den ersten Prozesstag gegen seine Ehefrau hatte Fahrradhändler Harry J. nur ein Ziel. „Ich wollte sie endlich wiedersehen“, sagte er. Ganz ohne Zorn oder Verbitterung. Dabei soll seine Ehefrau Renate J. Mörderisches im Schilde geführt haben. Laut Anklage heuerte die 61-jährige Bordellbetreiberin für einen Lohn von 18 000 Euro einen Killer an, „um sich ihres im Laufe der Ehe überdrüssig gewordenen Ehemannes zu entledigen.“ Und weil sie auf ein sattes Erbe aus dem Verkauf des Fahrradgeschäftes hoffte. Gemeinsam mit vier mutmaßlichen Komplizen des Komplotts muss sie sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten.

Es ging für den 67-jährigen Harry J. tatsächlich um Leben oder Tod. Am 6. Februar dieses Jahres war der Angeklagte Steve E. in seinem Geschäft in Moabit aufgetaucht. Der 18-Jährige verlangte einen Bremszug. Die Männer plauderten. Plötzlich schubste E. den Händler, stach dann mit einem Messer zu. „Ich sollte zweimal zustechen und dann gehen, das war mein Auftrag“, gestand der Bäckerlehrling. Von dem „Job“ habe ihm der 17-jährige Cem berichtet, der von seinem Onkel Ali K. angesprochen worden sei.

„Für mich war es leicht verdientes Geld“, sagte Steve E. emotionslos. Ihm sei ein Drittel des Lohnes versprochen worden. Aber Ali K. und er hätten abgesprochen, dass der Mann nicht tot umfallen“ sollte. K. habe gesagt: „Er sollte ins Krankenhaus kommen, wenn er dort stirbt, ist es nicht so schlimm.“ Es sie ihm „gar nicht so leicht“ gefallen, auf den „netten Mann“ loszugehen, meinte der 18-Jährige. Was ihm bei der Tat durch den Kopf gegangen sei, wollte der Richter wissen: „Ich habe nur an die Summe gedacht“, sagte E., der sich eine Woche später stellte.

Wie versteinert saß Renate J. auf der Anklagebank. Von ihrer Suche nach einem Killer soll sie zunächst der Angeklagten Birgit R. berichtet haben. Die 40-Jährige, die sie aus ihrem Bordell kannte, weihte laut Anklage Ali K. ein. „Sie hatte wohl schon mehrere Anläufe unternommen, um ihren Mann töten zu lassen“, sagte der 30-jährige Türke. „Sie suchte dringend einen, der es macht.“ Er habe mit ihr den Preis ausgehandelt. Er habe sich aber gedacht: „Den Mann nur verletzen und dann bei der Frau abziehen.“

Nach der Tat aber sei kein Lohn geflossen. Angeblich begründete Renate J.: „Er ist ja nicht tot.“ Der Angeklagte Ali K. sagte, dass er die Bordellbetreiberin danach unter Druck gesetzt habe. Hier nun will die Anwältin im Prozess ansetzen. Es sei möglich, dass Renate J. selbst Opfer eines Komplottes sei: Als eine Erpressung nicht klappte, hätten die Erpresser das Komplott eingefädelt, um die Frau unter Druck zu setzen. Auch für Harry J. ist das Ganze eine „merkwürdige Sache“. Er habe nach den Stichen in seinen Rücken sofort seine Ehefrau angerufen. Sie reagierte sofort. „Sie hätte doch nur zwanzig Minuten warten müssen, dann wäre ick abjepfiffen.“ Seit ihrer Inhaftierung vor acht Monaten schreibt er ihr regelmäßig. „Wir sind über vierzig Jahre verheiratet und ick bilde mir ein, sie janz jut zu kennen.“ Manchmal könne seine Frau „ein kleines Luder“ sein. „Aber doch keine große Verbrecherin.“ Kerstin Gehrke

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