Berlin : Ein Netz der Sicherheit für gefährdete Kinder

Senat plant ein Frühwarnsystem gegen Verwahrlosungen Hilfsangebote soll es schon während der Schwangerschaft geben

Sigrid Kneist

Aufgeschreckt durch etliche Fälle von Kindesmissbrauch und -verwahrlosung im vergangenen Herbst hatte das Abgeordnetenhaus den Senat aufgefordert, ein Konzept für ein „Netzwerk Frühwarnsystem“ zu erarbeiten. Jetzt steht es kurz vor der Fertigstellung, im kommenden Monat wird es beschlossen. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sagte gestern nach der Senatssitzung, dass vor allem die Arbeit verschiedener Einrichtungen wie Jugend- und Sozialamt, der Schule, aber auch des Gesundheitsdienstes, der Kinderärzte und der Hebammen besser vernetzt werden sollen. „Es muss klar sein, dass nicht alle Fälle verhindert werden können. Aber wir können die Wahrscheinlichkeit verringern“, sagte Böger.

Das Konzept sieht vor, Hilfsangebote des Staates frühzeitiger einzusetzen. Betreuung soll schon während der Schwangerschaften ansetzen, wenn sichtbar ist, dass die Mutter oder die Familie soziale Probleme haben. Dieses soll sich nach der Geburt fortsetzen, wenn die Kliniken Risiken für das Kindeswohl erkennen. In die Betreuung bei den Familien werden dann auch die Hebammen eingebunden.

Da die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen nicht gesetzlich vorgeschrieben werden können, hat Berlin laut Böger eine Bundesratsinitiative gestartet. Mit der soll wenigstens erreicht werden, dass die Krankenkassen die Jugendämter informieren, wenn Kinder nicht zu den vorgesehenen Terminen beim Arzt vorgestellt werden. Scharfe Kritik übte Böger an der Bundesregierung. Obwohl diese nach einem Beschluss im Bundesrat im Mai aufgefordert worden war, dazu Stellung zu nehmen, gebe es noch keine Antwort. „Da ist nichts passiert“, sagte Böger.

Berlinweit wird künftig nach den Vorstellungen des Senats für alle Vierjährigen eine Sprachstandsuntersuchung verbindlich. „Damit werden wir erstmals alle Kinder bereits in diesem Alter erfassen“, sagte Böger. Ein konkreter Termin steht aber noch nicht fest. Außerdem hat der Bildungssenator Anfang des Jahres in einem Rundschreiben geregelt, wie Schule und Jugendamt bei Problemkindern reagieren sollen. Beispielsweise wird eine Schulhilfekonferenz mit allen Beteiligten einberufen, um über Hilfsmaßnahmen zu entscheiden. Dies hatten Schule und Jugendamt auch bei dem Achtjährigen vereinbart, der vor zehn Tagen betrunken mit seiner Mutter auf einer Parkbank in Wannsee gefunden worden war. Allerdings war die Dringlichkeit nicht erkannt worden, die Konferenz sollte erst jetzt nach den Herbstferien stattfinden.

Böger will zudem zu Beginn des kommenden Jahres eine 24-Stunden-Hotline beim Kinder- und Jugendnotdienst einrichten lassen, wo Kinder Hilfe finden.

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