Berlin : Ein neuer Anfang am Tor zu Potsdam

In die Villa Schöningen gleich hinter der Glienicker Brücke soll nach jahrelangem Leerstand wieder Leben einziehen

Christian van Lessen

Potsdam - Wenn zwischen den Jahren wieder tausende Berliner, Brandenburger und Touristen an der Glienicker Brücke vorbeikommen, werden sie auch ein verwahrlostes leeres Haus sehen. Und sich fragen, warum es hier so trostlos aussieht, von Berlin gleich rechts hinter der Brücke. An einem so bekannten Ort, der Weltkulturerbe ist, ist es ein Schandfleck. Aber für das Haus scheint Rettung in Sicht. Es könnte bald saniert und mit einem Kranz von Stadtvillen umrahmt sein.

„Ich schäme mich als Berliner für das Haus“, sagt Architekt Bernd Faskel. Der einstige Glanz der leeren Villa, 1842 von Ludwig Persius gestaltet, zur DDR-Zeit ein Kinderheim, ist nur zu ahnen. Im neuen Jahr will Faskel den Verfall des Baudenkmals aufhalten. Mit einem Partner, der Firma Lear, ist er vom Eigentümer mit der Projektentwicklung beauftragt. Sie haben gegen Widerstände aus der Nachbarschaft Entwürfe für eine Randbebauung mit fünf, sechs Stadtvillen gefertigt, der Bebauungsplan-Entwurf liegt bereits aus. Das Gelände gehört Dieter Graalfs. Der zählte einst zu den West-Berliner „Baulöwen“, als er noch Partner der früheren Firma Groth & Graalfs war.

Groth pflasterte nach der Wende links hinter der Brücke das „Glienicker Horn“ mit Stadtvillen zu. Graalfs begnügte sich damit, rechts der Brücke an der Schwanenallee die „Villa Schöningen“ zu kaufen. Er erwarb auch noch freies Nachbargelände. Das wollte er bebauen und mit den Erlösen das Baudenkmal herrichten. Die Pläne zerschlugen sich. Graalfs will die Grundstücke wieder loswerden.

Aber Käufer finden sich leichter, wenn sie nicht nur ein Baudenkmal auffrischen müssen, sondern daneben auch noch anspruchsvolle Eigenheime bauen und verkaufen dürfen. Deshalb bekamen Faskel und die Firma Lear den Auftrag, für das Nachbargelände Entwürfe anzufertigen.

Den Plänen haben die Stadtverwaltung und die Stiftung Schlösser und Gärten zugestimmt. Faskel will die innen verbaute Villa zunächst entkernen, einen „klassischen Rohbau anbieten“. Nach seinen Berechnungen müssten rund 1,5 bis zwei Millionen Euro in das Haus gesteckt werden. Der städtebauliche Vertrag mit der Stadt Potsdam verpflichtet den Eigentümer zur bautechnischen Sanierung.

Faskel kann sich im Haus eine Stiftung vorstellen, eine Botschaft, ein Museum, vielleicht das Potsdamer Stadtmuseum mit einer Information über die Geschichte der Glienicker Brücke. Für einen öffentlichen Ort sei das Haus ideal, „man steht ja hier fast auf der Straße“.

Die Häuser, die Faskel in einigem Abstand im Viertelkreis bauen will – die Sicht auf Schwanenallee und Havel bleibt frei – sollen sich dem Persius-Bau anpassen. Dass Peter Joseph Lenné den Garten um die Villa angelegt habe, wie Kritiker der Baupläne meinten, hält er für ein Gerücht: „Wir haben Archäologen rangesetzt, die haben keine Spuren ermittelt.“

Zu den Kritikern der Bebauung gehören Anwohner des „Vereins Berliner Vorstadt“ und der Landschaftsarchitekt Dirk Heydemann. Er hat die Geschichte des Hauses schon 1989 erforscht, die Villa und ihre Gärten zum Thema seiner Diplomarbeit gemacht. Nach Einsicht in alte Pläne ist er sicher, dass Lenné hier allerdings plante und seinen Schüler Gustav Meyer das Areal vermessen ließ. Heydemann nahm bei seiner Recherchen auch Kontakt in die USA zu Nachfahren der hier einst wohnenden jüdischen Bankiersfamilie auf. Die wiederum weckten in der Journalistin Katie Hafner so viel Interesse, dass sie das Buch „Das Haus an der Brücke“ schrieb. Die Villa erschien auf der Titelseite des Magazins der „New York Times“, war eine Zeit lang fast so berühmt wie die Glienicker Brücke, auf der die Spione ausgetauscht wurden.

Zur Bürgerbeteiligung liegen die Pläne bis zum 13. Januar bei der Stadtverwaltung aus: Haus 1, Hegelallee 6–10, Zimmer 831, montags bis donnerstags 7 bis 18 Uhr, freitags bis 14 Uhr. Katie Hafners Buch ist vor einem Jahr im Märkischen Verlag Wilhelmshorst erschienen und hat 236 Seiten.

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