Ein neues Museum für JFK : Präsidialer Wechsel

Das Kennedy-Museum ist vom Pariser Platz in die Auguststraße gezogen In der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule gibt es für die Schau mehr Platz. Am Sonnabend war Eröffnung.

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Paarweise.
Paarweise.

Das Modell ist aus bernsteinfarbenem Horn, Gestelle wie dieses sieht man heute recht häufig auf der Straße. Meistens in Gesichtern junger Menschen, die gemeinhin als Nerds subsumiert werden. Doch dieses Exemplar hier ist kein beliebiges, es stammt aus den frühen 60er Jahren, und sein Träger war alles andere als ein Sonderling mit fragwürdigen Hobbys. Es ist die Lesebrille John F. Kennedys, die in einer Vitrine im zweiten Stock der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule in Mitte liegt. Gleich neben dem dazugehörigen Etui aus schwarzem Leder.

Dass die Brille heute öffentlich bewundert werden kann, ist bemerkenswert. Kennedy setzte sie nur selten im Beisein Fremder auf, es gibt kaum Aufnahmen, die ihn mit Sehhilfe zeigen. Auch im Kennedy-Museum, das am Samstagabend im Beisein geladener Gäste, darunter US-Botschafter Philip D. Murphy und Starfotograf Steve Schapiro, Wiedereröffnung am neuen Standort in der Auguststraße feierte, findet sich kein einziges Foto, das den 35. Präsidenten der USA mit besagten Gläsern zeigt. Dafür eines vom Sommer 1943. JFK an Bord eines Bootes während eines Kriegseinsatzes im Südpazifik. Mit freiem Oberkörper, lässig sitzendem Cap – und Sonnenbrille.

Noch bis Juni war die Sammlung, die sich im Besitz der Camera Work AG befindet, am Pariser Platz zu sehen. Zur Eröffnung des Museums im November 2006 hatte sich Edward Kennedy angekündigt. Doch dann konnte er die Reise nicht antreten, weil die Ärzte einen Hirntumor diagnostizierten, dem er 2009 erlag. Dafür schickte er ein Foto von sich und seinen Brüdern John und Robert. Darunter eine persönliche Widmung mit den „herzlichsten und besten Wünschen“. Das gerahmte Bild war eines von rund 350 Exponaten, die am Pariser Platz neben zahlreichen Privatgegenständen, Fotografien und Originaldokumenten gezeigt wurden. Es war jedoch nur ein Bruchteil des Gesamtbestandes. Camera Work suchte daher nach einem größeren Standort.

„Einer der Gründe für den Umzug war die Erweiterung der Dauerausstellung“, sagt Alexander Golya, Pressesprecher des Museums. „Sie umfasst nun über 50 zusätzliche Exponate. Zudem stehen uns rund 500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, das sind 200 mehr als am alten Standort.“ Im ersten Stock des Gebäudes betreibt Camera Work bereits die CWC-Galerie für zeitgenössische Fotografie; das Stammhaus des Unternehmens befindet sich in Charlottenburg. Hinzu kommt die Lage der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich zahlreiche Galerien, die Museumsinsel und das Fotoforum C/O Berlin sind nur wenige Gehminuten entfernt. Das sei ein Vorteil gegenüber dem alten Standort, sagt Alexander Golya. „Das Publikum hier in der Gegend ist sehr viel internationaler und äußerst kulturaffin.“

Nach der Feier am Samstagabend steht das Haus ab diesem Sonntag, 11 Uhr, allen Interessierten offen. Die konzeptionelle Gliederung der neuen JFK-Schau ist deutlich erkennbar. Neben einer sogenannten Timeline im Flur gibt es verschiedene Themenbereiche, die sich etwa dem Präsidentschaftswahlkampf oder dem Mythos der Kennedys widmen. Natürlich wird auch der Berlin-Besuch John F. Kennedys am 26. Juni 1963 ausführlich beleuchtet – anhand von Fotografien, Filmaufnahmen und Originaldokumenten. In einem Schaukasten befindet sich zudem eine Aktentasche aus schwarzem Krokodilleder von Hermès, die Kennedy an diesem Tag bei sich hatte. Insgesamt soll er sie 14 Jahre lang getragen haben. Dem Stück ist das kaum anzusehen. Offenbar ging sein Besitzer sehr pfleglich damit um – das Leder weist nur wenige Kratzer und Verschleißspuren auf.

Mit dem Kennedy-Museum wird die ehemalige Jüdische Mädchenschule um einen Mieter von internationaler Strahlkraft erweitert. Erst im Februar dieses Jahres wurde das Gebäude nach umfassender Sanierung wiedereröffnet. Im Erdgeschoss befinden sich gastronomische Einrichtungen wie das Restaurant „Pauly Saal“ und das Café „Mogg & Melzer“, in den Stockwerken darüber Ausstellungsräume. Michael Fuchs, der das Haus von der Jüdischen Gemeinde gemietet hat und in der dritten Etage selbst eine Galerie betreibt, findet, das Kennedy-Museum passe bestens in die Mädchenschule sowie in das Gesamtkonzept des Hauses. „Es spricht nationale sowie internationale Besucher an, die sich nicht nur mit Kunst, sondern auch mit der Geschichte Berlins auseinandersetzen möchten.“ Es sei daher eine perfekte Ergänzung zu den bereits vorhandenen Ausstellungen.

Kennedy-Museum, Auguststraße 11 – 13 in Mitte. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

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