Berlin : Ein Ort der Stille unter der jubelnden Menge

Im Olympiastadion wurde nach drei Jahren Planung die Kapelle eingeweiht Fans sollen erst nach der WM kommen – und dann bitte ohne Bierbecher

Andre Görke

Die Worte von Volkwin Marg waren sehr energisch, und sie richteten sich an alle Fußballfans. „Wir reden nicht von einer Bockwurstbude“, sagte der Architekt, als er im Olympiastadion stand. „In eine Kapelle geht man doch auch nicht in bunten Turnschuhen, und schon gar nicht mit einem Bierbecher.“ So viel zur Kleiderordnung.

Drei Jahre hat die Kirche den Bau der Kapelle im Stadion geplant, gestern konnte sie den Ort der Andacht feierlich eröffnen. Beginnen konnte die Kirche erst mit dem Bau, als sie die ersten Spenden der insgesamt 270 000 Euro zusammen hatte und die Tribünen nach der jahrelangen Renovierung 2004 fertig waren. Der mit Blattgold verzierte Raum befindet sich ganz unten im Bauch der Haupttribüne, neben den Spielerkabinen.

Wer dort allerdings heiraten oder sich taufen lassen will, muss bis August warten. Während der Fußball-WM gehört auch die Kapelle zum Hochsicherheitsbereich; nur Spieler können dann die ökumenische Kapelle besuchen. Da es keine Kirche ist, steht die Kapelle auch nicht jeden Tag offen, sondern ist nur nach Anmeldung beim zuständigen Pfarrer der Gemeinde zu besichtigen. Wer allerdings eine Führung im Olympiastadion bucht, erhält auch im Rahmen der Tour Zutritt.

Den ersten Gottesdienst in der Kapelle verfolgten gestern einige hundert Menschen im Stadion. Übertragen wurde dieser auf die Videoleinwand, weil der Raum mit 50 Plätzen zu klein ist.

Der Ort befindet sich mitten im Stadion und nimmt doch eine besondere Rolle ein. Am „Ort der Andacht“ werde es langsamer zugehen als draußen im Stadion, sagte der evangelische Bischof Wolfgang Huber bei der Einweihung. Bei Niederlagen würden Spieler „in der Kapelle getröstet, bei Siegen hält man die Füße am Boden“. Bislang gibt es nur in der Arena Auf Schalke in der Stadt Gelsenkirchen eine Kapelle, auch Frankfurt am Main und Mönchengladbach planen den Bau eines Andachtsraumes in ihren Arenen.

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