Berlin : Ein Ort der Unmenschlichkeit BERNAUER STRASSE

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Die Bernauer Straße war wohl das brutalste Zeugnis für die Unmenschlichkeit der Folgen des 13. Augustes 1961. Hier, wo der Bezirk Mitte (Ost) an Wedding (West) grenzt, wurden erst die Fenster der Wohnungen zugemauert und später fünfgeschossige Häuser komplett dem Erdboden gleichgemacht. Hier entstand ein Foto, das um die Welt ging: der flüchtende Mauerwächter mit Stahlhelm und Knarre. Und hier sprengten sie die Versöhnungskirche, die unbenutzt im Niemandsland stand. „Diesen Moment habe ich sogar erlebt“, sagt Christine Bartels. „Es gab keinerlei Ankündigung, plötzlich zerreißt ein Knall die Stille, und als ich aus dem Fenster über die Baumwipfel blicke, stürzt gerade die Spitze des Kirchturms in die Tiefe.“ Die pädagogische Mitarbeiterin der Volkshochschule Mitte wohnte mit ihrer Familie im letzten Haus vor dem Mauerstreifen an der Bernauer Straße, ihre Wohnung mit der Adresse Brunnenstraße 47 war schon „grenznaher Bereich“, direkt davor stand ein weißrotes Gitter. Ein Schild verbot das Weitergehen. „Wer hier wohnte wie wir, hat eigentlich alles erlebt, was man nur erleben konnte im Schatten der Mauer.“ Schüsse in der Nacht, weil es ein Mensch geschafft hat, auf einer Leiter über die Mauer zu entkommen. Die Folge: militärischer Aufmarsch, Haus- und Kellerdurchsuchungen. Und dann, ’89, war alles vorbei. „Am 10. November sind wir von einer Geburtstagsfeier direkt zu unserer Mauer gezogen, mit Hammer und Sekt: Weg mit dem Ding!“ Lo.

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