Berlin : Ein Paar wie Jolanthe und Adolar

Die Klimbim-Familie lebt – dank Elisabeth Volkmann und Horst Jüssen. Mit den Akteuren aus den 70ern bringen sie den Chaos-Clan auf die Bühne

Nana Heymann

Schuld war mal wieder das Fernsehen, genauer: der Westdeutsche Rundfunk. Zum 30. Geburtstag von „Klimbim“ lud der Sender vor zwei Jahren die Darsteller der schrägen Chaosfamilie zu einer Jubiläumssendung. Da sei sie dann plötzlich da gewesen, die Idee, das Ensemble noch einmal auf die Bühne zu holen, erzählt Horst Jüssen. „Die sind doch alle noch ganz gut in Schuss, hab ich mir da gedacht.“ Also machte sich der Schauspieler und Autor an die Arbeit und schrieb die Show zu einem Bühnenstück um. In „Die Klimbim-Familie lebt!“ lässt er seine eigene Rolle des notorisch genervten Ehemanns Adolar von Scheusslich wieder aufleben – und die der restlichen Clanangehörigen gleich dazu. So gibt Elisabeth Volkmann erneut die offenherzige, sexbesessene Ehefrau Jolanthe, Ingrid Steeger deren Tochter Gabi, Wichert von Roell den Opa und Peer Augustinski den Mann für alle Fälle. Doch wer jetzt lediglich einen zweiten Aufguss der Fernsehserie erwartet hat, liegt falsch: „Natürlich ist das Stück der Aktualität angepasst. Wir haben uns gewohnt humorvoll mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen auseinander gesetzt“, verspricht Jüssen, ohne Details verraten zu wollen.

Kurz vor der Berlin-Premiere des Stückes im Renaissance-Theater sitzt der 64-Jährige mit Kollegin Elisabeth Volkmann in einer schattigen Ecke auf dem Hof eines Hotels. Der Hitze versuchen die beiden mit kaltem Mineralwasser zu trotzen. Und wenn sie die alten Zeiten Revue passieren lassen, dann merkt man schnell: Das verschrobene Paar, das sich gegenseitig ins Wort fällt und anblafft, geben die beiden auch bei Interviews.

So richtig konnten die Darsteller ihre Rollen nach dem Ende der Show ohnehin nie ablegen – immer wieder sind sie auf „Klimbim“ angesprochen worden. Die Familienzusammenführung war also nur eine Frage der Zeit. Wie das war, mit den Kollegen von früher wieder zusammen- zuarbeiten? „Grau-en-haft!“, sagt Elisabeth Volkmann ohne groß nachzudenken und muss auch gleich laut und knarzig loslachen, genauso, wie man es von ihr als Synchronstimme der Marge aus der Fernsehserie „The Simpsons“ gewohnt ist. „Es stehen fünf Mimosen auf der Bühne, alle Superstars mit ihren Macken. Da bleiben kleinere Reibereien nicht aus. Doch sobald der Vorhang nach oben geht, steht die Gruppe geschlossen wie eine Einheit“, sagt Jüssen.

Zwei Stunden lang hetzt diese Einheit nun wieder durch Gags und Witze, durch komische Momente und absurde Situationen und für Lacher im Minutentakt. „Mich hat überrascht, wie schnell doch jeder wieder in seinem Charakter ist“, sagt Jüssen. Das sei vor allem eine Sache der Kostüme gewesen, ergänzt Elisabeth Volkmann. „Als ich diesen Fummel nach so langer Zeit wieder anhatte, da konnte ich gar nicht anders, da war ich gleich wieder drin. Der Rest kam ganz von selbst.“ Ob es nicht doch ein wenig Überwindung gekostet hat, mit 63 wieder in Strapse und tiefdekolletierte Flatterhemdchen zu schlüpfen? „Ein bisschen schon. Aber da bürste und creme ich vor jeder Aufführung drei Stunden.“

Über 200 Mal standen die Darsteller seit dem vergangenen Jahr mit ihrem Stück bereits auf der Bühne, in Düsseldorf, München und Hamburg. Dass dabei im Publikum nicht nur alte Nostalgiker, sondern auch viele junge Menschen saßen, hat die Truppe sehr überrascht. „Das ist sehr belebend. Wir empfinden das als großes Kompliment“, sagt Horst Jüssen.

„Die Klimbim-Familie lebt!“, Premiere am 14. Juli um 20 Uhr im Renaissance-Theater. Kartenbestellung unter der Nummer 3124202. Weitere Vorstellungen bis zum 7. August.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben