Berlin : Ein Park für James Simon

Mitte bewegt sich bei Männernamen – ein bisschen

Matthias Oloew

Nun soll James Simon doch geehrt werden. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte will heute entscheiden, ob ein Park am Auswärtigen Amt nach dem jüdischen Mäzen benannt wird, dem die Stadt die Nofretete zu verdanken hat. Parallel wird am Montag eine Gedenktafel an der Bundesallee 23 enthüllt. Die Initiatoren einer Ehrung um Bernd Schultz, den Chef der Villa Grisebach, wird das nicht zufrieden stellen. Sie wollen, dass eine Straße, möglichst nahe der Museumsinsel, Simons Namen trägt.

Dazu ist es, wie berichtet, bisher nicht gekommen, weil die BVV einen Beschluss gefasst hat, dass Straßen in Mitte so lange nach Frauen benannt werden müssen, bis ein Gleichstand zwischen Männer- und Frauennamen erreicht ist. Aus diesem Grund fiel bislang nicht nur James Simon durchs Raster, sondern auch der ehemalige Polizeipräsident Bernhard Weiß, für den sich einer seiner Nachfolger, nämlich Georg Schertz, stark macht. Auch Yehudi Menuhin wird deshalb keine Straße in Mitte erhalten. Der Star-Dirigent und Träger der Ernst- Reuter-Plakette, die für besondere Verdienste um die Stadt verliehen wird, hatte 1926 sein erstes Europa-Konzert in Berlin gegeben und starb auch hier, während einer Konzerttournee 1999. Für Menuhin setzt sich eine Privat-Initiative ein.

Während der Landesverband der Grünen ausdrücklich die Marschroute für Frauen-Namen unterstützt, scheint der Beschluss immer öfter in Frage gestellt zu werden. Zum Beispiel von Volker Hobrack (SPD), Vorsitzender der Kommission für Straßenbenennungen in Mitte. Er hofft auf eine Veränderung nach der Wahl im September: „Vielleicht findet sich in der neuen BVV eine Mehrheit, diesen Beschluss zu verändern.“ Hobrack stellt sich ein alternierendes Verfahren vor: Frauen- und Männernamen könnten sich dann abwechseln.

Trotz allem erhält jetzt der Platz vor dem Bahnhof Gesundbrunnen den Namen von Hanne Sobek. Der frühere Hertha-Fußballstar und Sportreporter wird damit in der Nähe des ehemaligen Hertha-Sportplatzes in Wedding geehrt. Der Fall ist aber keine Ausnahme von der Regel. Die Entscheidung für den Sobek-Platz fällte das Bezirksamt Wedding – vor der Bezirksfusion 2001. Wedding hatte keine Frauen-Regel. Dafür aber das Bezirksamt Tiergarten, und dessen Regel lebt im fusionierten Mitte fort.

Bei den Namen für Parks ist der Bezirk nicht so festgelegt. Die Taufe des James- Simon-Parks, so Hobrack, „ist ein wackeliger Kompromiss.“ Er hofft trotzdem auf eine Mehrheit.

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