Berlin : Ein Park wie von Lenné erdacht

Der östliche Tiergarten soll wieder aussehen wie vom Gartenarchitekten geplant: mit neuen Alleen und großem Goldfischteich

Matthias Oloew

Die Umgestaltung des östlichen Tiergartens geht voran. Senatsbaudirektor Hans Stimmann, Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau und Berlins Gartendenkmalpfleger Klaus von Krosigk pflanzten am Mittwoch zusammen mit Projektentwickler Klaus Groth symbolisch eine Linde in der Nähe des Reichstags. Die Pflanzung gehört zur Neugestaltung nach den ursprünglichen Plänen des berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné von 1838. Diese Gestaltung war im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört worden. Ein Kernpunkt der Verschönerungsarbeiten ist die Kleine Querallee, ein direkter Weg zwischen dem Kemperplatz an der Philharmonie und dem Reichstag. „Ein Weg, den der Große Kurfürst 1655 hat anlegen lassen“, klärte von Krosigk auf. Der wird jetzt wieder hergestellt. Im Sommer soll der erste Abschnitt des zwölf Meter breiten Weges zwischen Reichstag und der Straße des 17. Juni fertig sein. Die ganze Allee will von Krosigk im Mai 2006 freigeben.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg – vor allem in finanzieller Hinsicht. Denn das Land hat kein Geld, den Park schöner zu machen. Die 140000 Euro, die das erste Teilstück der Querallee kostet, kommen von Unternehmer Klaus Groth. Er baut mit seinen Geschäftspartnern am südlichen Tiergartenrand, auf dem Köbis-Dreieck. Weil er dort Bäume fällen ließ, finanziert er nun neue für den Tiergarten. „Im Rahmen des städtebaulichen Vertrages haben wir uns verpflichtet, 250000 Euro zu zahlen“, sagt Groth.

Die gesamte Schönheitskur für den Tiergarten wird aber viel teurer. Von Krosigk kalkuliert mit rund fünf Millionen Euro. Er will etwa den großen Goldfischteich wieder anlegen lassen, „derzeit ein unförmiges Feuchtbiotop.“ Auch andere Wege sollen angelegt und insgesamt mehr als 800 Bäume gepflanzt werden. Dubrau und Stimmann hoffen, das Geld dafür auch beim Bund und der EU einwerben zu können. Eigentlich soll dieses Geld die Infrastruktur fördern, zum Beispiel durch den Bau neuer Straßen. Nach Dubraus Angaben werden neuerdings aber auch Investitionen in die touristische Infrastruktur unterstützt. „Der Tiergarten ist ein Magnet für Touristen, die sich die Stadt anschauen“, sagt Dubrau.

Und das werden demnächst wesentlich mehr sein, die zum Beispiel eigens nach Berlin kommen, um das neue Holocaust-Mahnmal zu sehen. Denen will Stimmann nicht mehr die unansehnlichen Langgraswiesen in Sichtweite der Ebertstraße zumuten, durch die sich noch unansehnlichere Trampelpfade schlängeln. Dass für die neuen Wege auch ein paar Dutzend Bäume und Sträucher weg müssen, ließ der Senatsbaudirektor nicht unerwähnt. Von Krosigk rechtfertigte den Schritt: „Wir sind schließlich nicht in Kleinkleckersdorf, wo es reicht, ein paar ansehnliche Bäume zu präsentieren.“

Im September soll endlich der Tiergartentunnel für den Autoverkehr freigegeben werden. Dann verschwinden auch die Reste der Entlastungsstraße. Für neue Bäume fehlt dann nur noch das Geld.

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