• Ein Platz, der immer schon „der Markt“ war Was zum Toben, was zum Ruhen, was fürs Auge Spezialität Parks: Ein Schotte in Berlin

Berlin : Ein Platz, der immer schon „der Markt“ war Was zum Toben, was zum Ruhen, was fürs Auge Spezialität Parks: Ein Schotte in Berlin

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Gut gegliedert. Ein Streifen mit Granitplatten beiderseits des Marktes böte Geschäften oder Restaurants die Möglichkeit, sich nach draußen auszubreiten und Passanten zum Verweilen einzuladen. Die Funktion hätte auch die Rundbank um die alleinstehende Platane an der Carl-Schurz-Straße.
Gut gegliedert. Ein Streifen mit Granitplatten beiderseits des Marktes böte Geschäften oder Restaurants die Möglichkeit, sich nach...

Der Spandauer Markt ist einer der ältesten Plätze Berlins. „Von den Straßen und Plätzen der Stadt kennen wir im Jahre 1232 nur den Marktplatz. Er lag an derselben Stelle, wo wir ihn noch heute finden“, schreibt Otto Kuntzemüller 1928 in seiner Chronik der Stadt und Festung Spandau. Bereits in jener Zeit entstand auch ein Kaufhaus, „Kophus“ genannt, das später als Rathaus genutzt wurde. Daneben befanden sich die Verkaufsbuden von Fleischern und Knochenhauern. 1698 wurde der Markt um „einige wüste Stellen“ vergrößert. 1818 ersetzte man das alte Rathaus durch einen Neubau. Es wurde 1929, 16 Jahre nach Fertigstellung des heutigen Verwaltungsgebäudes an der Carl-Schurz-Straße, abgerissen. An seiner Stelle entstand das Volksbank-Haus. Im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, erfolgte rund um den Platz in den fünfziger Jahren zunächst eine behelfsmäßige Bebauung. Der Markt wurde zum Verkehrsknotenpunkt mit Durchgangsstraße, Parkplatz sowie einer Straßenbahn- und später Bushaltestelle. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde der Spandauer Markt bis 1982 nach modifizierten Plänen der Architekten Grötzebach und Plessow für vier Millionen Mark zum Kern der Fußgängerzone Altstadt Spandau umgebaut. du-

Der Markt hat für die Spandauer Altstadt eine zentrale städtebauliche Bedeutung und seine klassische Funktion als Handels- und Festplatz wiedererlangt. Zum Verweilen lädt er dennoch nicht ein. Angus Forbes vom Büro Schrickel und Partner Landschaftsarchitekten vermisst die historischen Bezüge und den Altstadt-Charme. Der Platz werde seiner eigentlichen Funktion als Aufenthaltsraum zwischen zwei Einkaufsstraßen schon deshalb nicht gerecht, weil es kaum Sitzmöglichkeiten gibt. Die rauen Pflastersteine böten keine angenehme Gehfläche. Der Markt, findet Forbes, sei in seiner Grundstruktur monoton und wirke abends trostlos.

Also möchte der Landschaftsarchitekt etwas von der Historie zurückholen und mit dem Besonderen der heutigen Zeit verknüpfen, am liebsten würde er den Markt zu einem multikulturellen Treffpunkt für alle Bevölkerungsgruppen machen. Forbes hat ihn für diese Serie umgestaltet, an der sonnenbeschienenen Nordseite eine terrassenartige Promenade von der Carl-Schutz- bis zur Breiten Straße angelegt, auf der das vorhandene Kleinpflaster durch Gehwegplatten aus Granit ersetzt würde. Die wären der richtige Untergrund für Tische und Stühle einer Gastronomie, die Besucher zum Bleiben animiert. Den unter Bäumen an der Breiten Straße gelegenen Kinderspielplatz sieht Forbes als Spielhain mit einem bunten Fallschutzbelag.

Auf der eher schattigen Südseite würde der Landschaftsarchitekt unter den Ahornbäumen eine grüne Einkaufspromenade mit zwei rund 1,50 Meter breiten Reihen aus grauem schlesischen Granit schaffen – Rückgrat für die Stände des Wochenmarktes. Die bisher schlechte Beleuchtung würde er ersetzen, das bringe auch etwas für das historische Erscheinungsbild dieses Altstadt-Platzes: Forbes schlägt vor, die Glockenkandelaber durch moderne LED-Leuchten in Form historischer Gaslaternen zu ersetzen. Die seien sparsam im Verbrauch und ihre Helligkeit könne digital gesteuert werden. Eine Rundbank mit bequemen Rückenlehnen um die große, alleinstehende Platane an der Carl-Schurz-Straße wäre eine attraktive Sitzmöglichkeit. Auf dem gesamten Platz, schlägt er vor, sollte es stählerne Altstadtbänke mit Sitzauflagen aus wetterfestem Kunstholz geben.

Das umstrittene Kunstobjekt, das eine Havelwelle symbolisieren soll, hält er für überdimensioniert. Allerdings: Es trägt zur Gliederung des Platzes bei und fängt den Höhenunterschied ab. Man könnte es aufwerten und die Rinne bei Dunkelheit mit einer Licht-Kunstprojektion zum Fließen bringen. Dafür würden Projektoren an Hausfassaden angebracht – eine vor Vandalismus geschützte Lösung. Die Technik erlaubt es, die Farbe – saisonal etwa – zu wechseln.

Die Hochbeete mit ihren geschnittenen Gehölzen beiderseits der großen Freitreppe im Ostteil des Marktes sind hässlich. Sie würde Forbes durch zwei Objekte ersetzen, die den Blick des Besuchers weg von den Fassaden zum Inneren des Platzes führen. Für das Nordwestende denkt er an eine Tierplastik aus Bronze, die an die alte Tradition als Markt- und Festplatz erinnern und heitere Stimmung in das allzu nüchterne Umfeld bringen würde. Mit der Gestaltung sollte ein Künstler beauftragt werden. Für seinen Entwurf hat Angus Forbes diese Aufgabe schon mal übernommen und einen Geigenspieler neben einer Kuh auf Stelzen skizziert. Für das Nordwestende schlägt er ein „Blumenwunder“ vor: eine mit einem wassersparenden Beregnungssystem ausgestattete Anlage mit saisonal wechselnder Bepflanzung. Die bringt noch mal Farbe in die Fußgängerzone. Rainer W. During

Angus Forbes ist Schotte und hat in Edinburgh, London und Exeter Landschaftsarchitektur studiert. Der 40-Jährige lebt seit 15 Jahren in Berlin und arbeitete zunächst für die Gartendenkmalpflege des Berliner Senats. Seit 2000 gehört er zum von Dieter Schrickel geleiteten Büro, für das er unter anderem den Kulturpark Bad Wilsnack (Deutscher Spielraumpreis) entwarf und den Wettbewerb für einen Energie-Erlebnispark im Rahmen der Buga 2015 im Havelland gewann. Schrickel und Partner zeichnen unter anderem für die neu gestaltete Verbindung zwischen Bahnhof und Flughafen Schönefeld verantwortlich und engagieren sich international mit Außenstellen in Guangzhou und Fort Lauderdale. Realisiert werden unter anderem Projekte in China wie auch derzeit ein Golfplatz, der im Schatten der Kairoer Pyramiden entsteht. du-

Schrickel + Partner Landschaftsarchitekten, Dörpfeldstraße 38, www.schrickel-partner.de

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