Berlin : Ein Pool geht baden

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über Entscheidungen, und wie man sie gekonnt vermeidet

Unsere Politiker sind super. Ohne Rücksicht auf Verluste treffen sie auch schmerzhafte Entscheidungen, und sie orientieren sich dabei an nichts anderem als dem Wohl der Stadt und ihrer Bürger.

Jedenfalls im Prinzip. Denn unser Staatswesen ist ja so raffiniert konstruiert, dass es schmerzhafte Entscheidungen zumindest in eigener Sache praktisch nicht treffen kann. Der viel beredete Stellenpool des öffentlichen Dienstes ist so eine Sache. Kaum hatten die Bürger begriffen, dass es sich dabei nicht um ein Badegewässer handelt, da war er, zack!, schon beschlossen. Schmerzhaft! Doch leider, es geht nicht. (Seite 8) Man habe, ahem, ahem, jetzt doch gewisse Zweifel, ob das so gehe, heißt es, die Gesetzesvorlage sei nicht so doll, und ob das ganze Ding überhaupt sein müsse, das stehe schon erst recht nicht fest. Einer der seltenen Fälle, in denen gleich ein ganzer Pool baden geht.

Zu Deutsch: Der gewaltige Apparat mit seinen Abgeordneten, Justiziaren, wissenschaftlichen Hilfskräften und Beratern hat ein riesiges Windei produziert, womöglich vorsätzlich. Er hat Entscheidungsstärke nur simuliert und die Bürger schlicht verklapst. Da ist es kein Wunder, wenn sich immer mehr Nichtbeamte fragen, ob nicht gleich der gesamte Beamtenapparat in den Pool gehört. Immerhin könnten die Verantwortlichen dort ihre Entscheidungsschmerzen kühlen.

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