Berlin : Ein Reinickendorfer will alle deutschen Kassenärzte führen

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Ein Berliner Arzt will ganz an die Spitze. Bei der Wahl zum neuen Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Sonnabend im Maritim proArte an der Friedrichstraße kandidiert der Reinickendorfer Urologe Manfred Richter-Reichhelm. Der 57-Jährige hat beste Chancen, erster Repräsentant aller rund 113 000 Kassenärzte in Deutschland zu werden. Über berufspolitische Erfahrung verfügt der mit einer Dänin verheirate Vater von drei erwachsenen Kindern reichlich. Der gebürtige Krefelder ist amtierender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin und schon seit über zwanzig Jahren in zahlreichen Berufsgremien leitend engagiert. Richter-Reichhelm gilt als moderater, aber in der Sache durchaus hart verhandelnder Interessenvertreter: "Ich habe klare Ziele und will überzeugen." Ein Hardliner ist er nicht. Das Tischtuch zwischen Ärzten, der Politik und den Krankenkassen wolle er nicht zerschneiden und grundsätzlich "mit allen Parteien reden".

Denkt man an die zunehmenden Klagen der Heilbranche über "Staatsmedizin", Honorarverfall und eisern sparende Krankenkassen, macht Richter-Reichhelm persönlich eine überraschend glücklichen Eindruck. Seine urologische Praxis im Nordwesten der Stadt laufe trotz gesunkener Kassenhonorare immer noch recht gut, nicht zuletzt wegen Privatpatienten aus den wohlsituierten Ortsteilen Frohnau, Hermsdorf und Heiligensee. Selbst hat er allerdings immer seltener Zeit, sich um Patienten zu kümmern, ein Fachkollege vertritt ihn.

Seine Freizeit verbringt der Doktor wann immer es geht auf der geliebten Insel Bornholm. An der nordöstlichen Küste steht ein kleines Ferienhaus, die Familie der Ehefrau betreibt dort auch eine Pension. Richter-Reichhelms Gelassenheit hat sicherlich mit Seelenpflege in Bornholm zu tun, "später einmal kann ich mir vorstellen, als Koch in der Pension zu arbeiten". Chef am Herd ist er auch in Berlin, der Urologe bevorzugt die regionale und französische Küche.

Nach Berlin kam Richter-Reichhelm bereits im Jahre 1963, schloß an der FU sein Medizinstudium ab, absolvierte die Facharztausbildung im damaligen Universitätsklinikum Steglitz, bevor er sich 1974 die eigene Praxis gründete. Wird der Reinickendorfer ins neue Amt gewählt, dürfte auch die Stadt profitieren. Der ohnehin geplante Umzug der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von Köln an die Spree könnte unter "RiRei" schneller kommen als in veranschlagter Fünfjahresfrist: "Wir suchen schon Grundstücke".

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