Berlin : Ein Revoluzzer für die Revue

Thomas Münstermann brachte „Perry Rhodan“ und „Tommy“ von The Who auf die Osnabrücker Bühnen. Im August wird der Operndirektor mit Faible für Ungewöhnliches neuer Programmchef im Friedrichstadtpalast

Matthias Oloew

Der neue Künstlerische Leiter des Friedrichstadtpalasts kommt aus Osnabrück. Thomas Münstermann ist am Donnerstag vom Aufsichtsrat der Revue-Bühne zum Nachfolger von Alexander Iljinskij gewählt worden. Der bisherige Operndirektor an den Städtischen Bühnen Osnabrück wird sein Amt mit Beginn der neuen Spielzeit im August 2004 antreten. Aber er wird kein Alleinherrscher mehr sein. Der Aufsichtsrat hat den Intendanten-Posten gestrichen und eine Doppelspitze geschaffen. Münstermann wird gleichberechtigt neben dem Kaufmännischen Geschäftsführer Guido Herrmann arbeiten.

Thomas Münstermann stammt aus Kassel. Er arbeitete an den Städtischen Bühnen von Krefeld und Mönchengladbach, in Saarbrücken und Wiesbaden, war Operndirektor in Pforzheim und zuletzt in gleicher Position in Osnabrück tätig. Als Chef der Musiktheater- Sparte wagte er sich in seiner fünfjährigen Amtszeit an ebenso ungewöhnliche wie schwierige Stoffe und erntete dafür fast ausnahmslos Applaus.

Zum Beispiel für seine Idee, aus der 60er-Jahre-Romanreihe um den Weltraumfahrer Perry Rhodan eine Oper zu machen. Oder für sein Musiktheater-Stück, das er aus dem Remarque-Roman „Im Westen nichts Neues“ machte. Keine leichte Kost, aber etwas mit Lokal-Kolorit, schließlich ist Remarque in Osnabrück geboren. Derzeit arbeitet Münstermann an der Inszenierung der Hindemith-Oper „Mathis, der Maler“, die als Vorlage das Wirken und Leben des Malers Matthias Grünwald hat. Premiere wird im Februar sein. Auch das ist nicht gerade leichte Unterhaltungsware, aber auch der ist er nicht abgeneigt. So brachte er das „The- Who“-Musical „Tommy“ auf die Bretter der Städtischen Bühnen Osnabrück.

Alexander Iljinskij hat seinen Vertrag, der noch bis zum 31. Juli 2004 läuft, nicht verlängert. Er wird dann fast elf Jahre lang im Amt gewesen sein – und das sei genug, befand er. Nach seinem Rückzug will der heute 55-Jährige mehr schreiben. Derzeit arbeitet er noch an dem letzten Stück, das er für den Friedrichstadtpalast vorbereitet, „Hexen“ ist der Arbeitstitel. Derzeit läuft auf der Bühne die Weihnachtsrevue „Jingle Bells“.

Iljinskij hatte das Haus 1993 übernommen, als es am Boden lag. Zu den Shows auf Europas größter Revuebühne kamen immer weniger Zuschauer – zuletzt blieben zwei Drittel der Sitze leer. Noch im ersten Jahr seiner Intendanz schaffte er es, dass die Auslastung des Theaters von 36 auf 63 Prozent stieg. Heute erwirtschaftet der Friedrichstadtpalast nach eigenen Angaben rund 70 Prozent seines Haushaltes selbst.

Finanziell wird sich Münstermann stärker als sein Vorgänger nach den kaufmännischen Vorgaben richten. Ob es bei den jährlichen Senats-Überweisungen von aktuell 6,8 Millionen Euro bleibt, ist nicht ausgemacht.

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