Berlin : Ein roter Teppich für Talente

Andrea Hohnen ist Programmleiterin des Nachwuchsfilmpreises „First Steps“

Michael Draeke

Hat man eigentlich noch einen Lieblingsfilm, wenn man sich tagein tagaus von Berufs wegen mit Kino beschäftigt? Andrea Hohnen schaut ratlos. Und bricht dann in schallendes Gelächter aus. „Nein“, sagt sie, „wenn man so viele Filme sieht wie ich, dann geht so was nicht mehr.“ Die Reaktion ist verständlich, schließlich hat Andrea Hohnen in den vergangenen Wochen nächtelang Filme angeschaut. Insgesamt knapp 200 in sechs Monaten. Andrea Hohnen ist Programmleiterin des Nachwuchsfilmpreises „First Steps“. Sie sichtet das Material und legt es der Jury vor.

Am kommenden Montag findet das große Finale statt: Im Theater am Potsdamer Platz werden zum vierten Mal die First-Steps- Preise verliehen. 24 Abschlussfilme deutscher Hochschulen sind nominiert. Die Veranstalter – der Fernsehsender Sat 1, die Produktionsfirmen Constantin Film und teamworx sowie Mercedes Benz und Spiegel TV – vergeben in fünf Kategorien Preisgelder zwischen 10 000 und 25 000 Euro. Viel Geld für junge Filmemacher, die gerade ihre Ausbildung beendet haben.

Bei Andrea Hohnen laufen die Fäden zusammen. Eigentlich ist sie ausgebildete Pianistin und Theaterwissenschaftlerin. Jahrelang war sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin für Festivalkontakte zuständig. Nun hat sie quasi auf die andere Seite gewechselt: Sie muss nicht mehr Studenten bei Festivals oder Wettbewerben unterbringen, sie kann dem Nachwuchs selbst ein Forum bereiten. Elf Monate arbeitet sie mit zwei Mitarbeiterinnen nur für die Preisverleihung. Die 48-Jährige sucht dabei das Gespräch mit den Absolventen in den Schulen, darüber hinaus werden in einem Jahrbuch Trends beleuchtet und über die Internetseite Kontakte zwischen jungen Filmschaffenden und Geldgebern vermittelt. Die Arbeit soll langfristig wirken. „Beim Stichwort Nachwuchs denken viele, da zieht man sich eine Jeans an, schüttelt sich die Hand, übergibt das Geld und damit hat sich der Preis.“ Bei First Steps wolle man den Talenten „einen roten Teppich ausrollen“. Die Preisverleihung findet in feierlichem Rahmen statt, Prominente sitzen in den Jurys, alles fast so wie bei den Großen der Branche. An den Hochschulen wird ihre Arbeit anerkannt .

In einigen Kategorien muss die Programmleiterin eine Vorauswahl treffen. Das falle ihr schwer, sagt Hohnen, schließlich möchte sie den einzelnen Regisseuren gerecht werden. Ärgert es sie, wenn ihre persönlichen Favoriten nicht berücksichtigt werden? „Dann bin ich traurig, das ist alles“, sagt sie, doch es lässt sich erahnen, dass sie bei vielen Werken mit dem Herzen dabei ist. Vor allem für Außenseiter hat sie ein Faible: Filme mit handwerklichen Schwächen oder solche, die allein vom Format her nie Aussicht auf größere Erfolge hätten, aber dafür Ideen transportieren: „Letztlich braucht man Individuen, wenn man Filme machen will, nicht Erfüllungsgehilfen.“

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