Berlin : Ein Satz Klimpergeld zum Anfreunden

Annette Kögel

Der Euro wird zwar erst mit dem Knallen der Sektkorken zu Silvester zum offiziellen Zahlungsmittel - doch die Vorbereitungen zur Einführung der neuen Währung laufen auch in den Berliner Banken auf Hochtouren. Jetzt werden die letzten Starter Kits an die Filialen ausgeliefert - Plastiksäckchen mit einem Satz Münzen im Wert von 10,23 Euro. Wer das neue Geld erstmalig in den Händen halten möchte, muss sich am Montag, den 17. Dezember, rechtzeitig anstellen. Um den erwarteten Ansturm zu bewältigen, haben mehrere Banken jetzt Ruheständler, BWL-Studenten und auch Mütter im Erziehungsurlaub vorübergehend als Mitarbeiter gewinnen können.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Noch liegen die Starter Kits verschweißt in Safes und Tresoren: Plastikbeutel mit insgesamt 20 Münzen zum Preis von 20 Mark: Je eine 1- und eine 2-Cent-Münze, je zwei 5-Cent- und 2-Euro-Stücke, je drei Mal 10 Cents und 1 Euro sowie je vier Mal 20 Cent- und 50 Cent-Münzen. "Ein Geschenk, das bestimmt jeder gern unterm Weihnachtsbaum liegen haben möchte", sagt Katja Damm, Euro-Expertin bei der Bankgesellschaft Berlin. In den 260 Filialen der Berliner Sparkasse und der Berliner Bank betreuen die Bankgesellschaft-Mitarbeiter rund drei Millionen Kunden - zur Verfügung stehen 700 000 Starter Kits.

Etwa eine halbe Million Privatkunden betreut die Deutsche Bank 24 in ihren insgesamt 80 Filialen. Wie viele Euro-Päckchen ausgeliefert werden, mag Pressesprecher Christian Hotz aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Es seien aber Starter Kits in "ausreichender Menge", ist Hotz überzeugt. Von einem "soliden Fundament" spricht Marion Pöll von der Dresdner Bank mit 54 Geschäftsstellen in der Stadt.

Da die Banken die Starter Kits aber in der Regel ohne Vorbestellung und Warteliste je nach Bedarf und dann einzeln beziehungsweise in geringer Stückzahl ausgeben, kann es an den Schaltern aber eng werden. "Wir haben von der Bundesbank auch die Erlaubnis bekommen, einzelne Euro-Münzen selbst zu Päckchen mit gleichem oder ähnlichem Geldwert zusammenzupacken, wenn die Euro Starter Kits vergeben sind", sagt Katja Damm. Ihr Kollege Thomas Pattri von der Commerzbank rechnet mit einem Riesenansturm an jenem Montag. "Das wird richtig knapp." Zudem man auch Nicht-Kunden nicht gleich vor die Tür weisen mag. Sparkasse und Berliner Bank haben besondere Kunden angeschrieben und ihnen die Ausgabe eines Start-Päckchens angeboten - allerdings auch erst ab 17. Dezember und nur in Verbindung mit einem Beratungstermin. "Es ändert sich ja vieles, von Steuerfreibeträgen und Versicherungssummen bis zur Friedhofsgebühr", sagt Euro-Expertin Damm.

Die großen Banken in Berlin haben bislang nicht vor, ihre Öffnungszeiten am ersten Tag, an dem die Berliner die ersten Euro-Münzen in den Händen halten können, auszudehnen. Dafür wird das Personal kräftig aufgestockt - auch mit Rentnern und Müttern im Erziehungsurlaub. Vom 17. Dezember an werden 500 zusätzliche Mitarbeiter das Stammpersonal in den Filialen der Bankgesellschaft bis Ende Februar verstärken. Ähnlich verfährt die Deutsche Bank. Ihre Kurzzeit-Mitarbeiter verteilen dann auch Infobroschüren zum Euro.

Unterdessen haben vereinzelt Firmen Starter Kits als Weihnachtsobulus für ihre Mitarbeiter reservieren lassen. "Wir kündigen das auf unserer Weihnachtsfeier an und holen die 60 Päckchen dann am 17. Dezember ab", sagt Stephan Rabe, Presseleiter beim Bundesverband öffentlicher Banken Deutschland. Die Mitarbeiter hätten die ganze Zeit mit der Euro-Einführung zu tun gehabt, da sei das jetzt eine passende Aufmerksamkeit. Noch besser haben es die Niederländer: Dort bekommt jeder Bürger ab sechs Jahren ein Starter Kit - geschenkt.

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