• Ein Schicksalstag deutscher Geschichte: Kein Platz für das letzte Zeugnis der Barbarei

Berlin : Ein Schicksalstag deutscher Geschichte: Kein Platz für das letzte Zeugnis der Barbarei

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Zwei Welten begegnen sich: links die Hochhausriesen vom Potsdamer Platz, rechts der letzte Zeuge einer Zeit, die dieses Areal mit Mauer und Panzersperren umgab. Der Wachturm, von dem aus junge Grenzsoldaten die Unüberwindlichkeit des "antifaschistischen Schutzwalls" mit allen Mitteln zu garantieren hatten, ist längst zum steinernen Anachronismus geworden. Er steht unbeachtet im Schatten der Info-Box, seine Tage sind gezählt, denn "der Leipziger Platz soll wieder das werden, was er einmal war - ein Oktogon. Und dabei sind Info-Box und Wachturm im Wege. Beide müssen weichen, zumal der Turm genau an der Stelle einer künftigen Stichstraße steht", sagt Petra Reetz von der Senatsbauverwaltung. "Aber er wird nicht beseitigt, sondern fein säuberlich zusammengelegt, um an einem anderen Ort in Mauernähe wieder aufgestellt zu werden".

Gegen den Abbau des Turms regt sich Widerstand; von Barbarei ist die Rede bei Michael Cramer von den Grünen. Die Mauer wird von den Touristen vermisst, Berlin könne es sich nicht leisten, nun auch noch einen so herausragenden Zeugen der Teilung der Stadt abzureißen. Im Gegenteil: Der Turm gehört unter Denkmalschutz gestellt. Dagegen Petra Reetz: "Der Leipziger Platz hat die älteren Ansprüche; der Mauerfall hat die Voraussetzung dazu geschaffen, auch dieses traditionelle Ensemble neu zu errichten. Die Wiedererweckung des Platzes und damit die Wiedergewinnung eines Stücks Alt-Berlin hat hier Priorität, ansonsten hätte am Ende doch ein Teil der Mauer gesiegt".

Einen Vorschlag zur Nutzung des Turms macht in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister der Rechtsanwalt Hanns-Ekkehard Plöger: "Dieser Turm eignet sich auch symbolisch für das Ausrufen von Sündern in der Politik ... wobei man von dort oben auch den Verbleib der schwarzen Kassen und der Ehrenmänner symbolisch beobachten könnte".

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