Berlin : Ein Schlag gegen die Dönerbranche

Wie türkische Blätter über den Berliner Gammelfleischskandal berichten

Suzan Gülfirat

Ein türkischer Getränkegroßhändler aus Berlin klagte in der Hürriyet von Dienstag über schlechte Geschäfte. Der Gammelfleischskandal mache sich auch in seiner Branche bemerkbar. „Wer einen Döner isst, trinkt in der Regel etwas dazu, und wenn die Kunden wegbleiben, werden weniger Getränke verkauft“, sagte er. Die Überschrift dazu hieß: „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“

Der Text erschien im Rahmen einer Kampagne zur Rettung der Döner-Branche. Seit etwa drei Wochen fragt die Hürriyet täglich: „Wohin steuert der Dönersektor?“ Auch der mittlerweile in die Schlagzeilen geratene Dönerproduzent Remzi Kaplan kam vor einiger Zeit zu Wort.Türkische Geschäftsleute seien verärgert, weil die deutsche Presse zu den Artikeln über das vergammelte Putenfleisch immer wieder Dönerspieße zeige, beklagte er. Nun laufen gegen ihn selbst Ermittlungen. Er steht in Verdacht, in seiner Firma vergammeltes Fleisch verarbeitet zu haben. Doch wie gingen die türkischen Blätter mit diesem Fall um? Die Frage lässt sich schnell beantworten. Nur eine Zeitung berichtete darüber. „Die Empörung des Dönerkönigs“, titelte am Freitag die Milliyet. „Wir haben die gleichen Stellen wie die Ermittler prüfen lassen, aber unsere Proben waren sauber“, zitierte die Zeitung den bekanntesten Dönerproduzent in Europa.

Bereits im Oktober waren in seinem Betrieb mehrere Tonnen Kalbfleisch sichergestellt worden. Das Landeskriminalamt durchsuchte am vergangenen Mittwoch seine Firmen- und Privaträume und stellte Geschäftsunterlagen sicher. Dem Tagesspiegel sagte Kaplan, er habe selbst dem Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt Mitte das schlecht aussehende Fleisch gemeldet. In einer Pressemitteilung hieß es zudem, dass das in seinem Betrieb „verwendete Fleischmaterial gesundheitlich unbedenklich ist“. Die Behörde widersprach jedoch seiner Darstellung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz.

Der Bericht von der Titelseite ging auf der ersten Seite der Europa-Beilage weiter. Kaplan warf den Ermittlern vor, mit den „unbegründeten Vorwürfen“, der Branche einen Schlag versetzt zu haben. „Er will jetzt den Sprecher der Staatsanwaltschaft wegen Täuschung der Öffentlichkeit anzeigen“, schrieb die Milliyet weiter. Und die anderen Blätter? Die wollen offenbar die Ergebnisse der Ermittlung abwarten.

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