Berlin : Ein Siegel ohne Qualitätsgarantie Zertifikate sagen nur etwas über das Management

Ingo Bach

In den Tabellen des Berliner Pflegeheimvergleichs finden sich Angaben zu Zertifizierungen der Pflegeheime. Diese aufwändigen und langwierigen Verfahren durch unabhängige Institute, die Expertenanhörungen und Prüfungen vor Ort beinhalten, sollen das Qualitätsmanagement im Heim verbessern. Vorteil: Die Häuser beschäftigen sich intensiv mit ihren innerbetrieblichen Abläufen unter Qualitätsgesichtspunkten. Konkrete Aussagen über eine gute oder schlechte Pflegequalität liefern die Bescheinigungen jedoch nicht. Am Ende des Verfahrens steht ein für mehrere Jahre gültiges Zertifikat. Die abgeschlossenen Zertifizierung sagt vor allem, dass die innerbetrieblichen Prozesse geeignet sind als zusätzliche Grundlage für eine dauerhaft gute Betreuungsqualität. Der Gesetzgeber stuft den Wert der Zertifizierungen auch für die Qualitätskontrollen hoch ein. Im Entwurf zur Pflegereform, die ab Mitte 2008 gelten soll, heißt es, dass die Prüfdienste der Pflegekassen künftig die Einrichtungen weniger intensiv prüfen sollen, die über eine Zertifizierung verfügen.

Die häufigste Zertifizierung von Berliner Pflegeheimen ist die nach der internationalen ISO 9000 Norm. 32 der 250 am Heimvergleich teilnehmenden Häuser haben dieses Zertifikat. Neun weitere ließen sich vom TÜV zertifizieren. Dieses Verfahren baut auf ISO auf.

Was beinhaltet ISO 9000/9001? ISO bedeutet International Standardisation Organization. Diese sitzt in Genf in der Schweiz. Die ISO 9001 ist eine Industrienorm zum Qualitätsmanagement. „Bei dieser Zertifizierung wird geprüft, wie weit die innerbetrieblichen Abläufe einer zuvor hausintern definierten Norm entsprechen“, sagt der Berliner Qualitätsmanagementberater Rolf Hildebrand. Der Grundgedanke entspringt der Industrierealität: also der Absicherung, dass ein Produkt, das das Werk verlässt, immer wieder der Norm entspricht. Hier wird getestet, ob die Abläufe so funktionieren, dass die „Produkte“ den Qualitätshandbüchern entsprechen. Dabei geht es auch um Betriebsökonomie: sind die Arbeitszeiten der Mitarbeiter so organisiert, dass sie zur Verfügung stehen, wenn die Arbeit anfällt. Das ist zum Beispiel zu den Hauptbetreuungszeiten im Heim nötig, etwa nach dem Aufstehen der Bewohner. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, dann muss das Verfahren wiederholt werden. Informationen im Internet unter www.iso.ch

Was beinhaltet das „TÜVmed“-Zeichen und das Diakonie-Siegel Pflege? Der Technische Überwachungsverein (TÜV) Nord zertifiziert das Qualitätsmanagement auf der Grundlage des Standards ISO 9001. Auch hierbei geht es um Qualitätsmanagement und weniger um konkrete Qualitätsvorgaben. Geprüft wird dabei unter anderem, ob jeder Mitarbeiter regelmäßig geschult wird und seine Aufgaben kennt und ob es ein Fehler-, Beschwerde- und Riskomanagement im Heim gibt. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig. Informationen unter www.tuev-nord.de

Auch das „Diakoniesiegel Pflege“ basiert auf der ISO-Norm, ergänzt um Vorgaben aus einem Qualitätshandbuch der Diakonie, in der unter anderem auch die Einbeziehung ehrenamtlicher Mitarbeiter und soziale Betreuungsangebote eine Rolle spielen.

Was ist KTQ? Ein im Pflegeheimbereich noch neues Zertifikat ist unter Kliniken bereits der Marktführer: KTQ - das heißt Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen. In einer Pilotphase wird dieses Zertifikat nun auch für den Pflegebereich weiterentwickelt. Der Träger sind Krankenkassen, Pflegerat, Ärzteverbände und die Krankenhausgesellschaft. Der Prüfinhalt sind Fragen zu 69 Kriterien: zum Beispiel Patienten-, Mitarbeiterorientierung und Qualitätsmanagement. Gültigkeit des Zertifikats: drei Jahre. Informationen im Internet unter www. ktq .de Ingo Bach

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