Berlin : Ein Stein für das Labyrinth des Lebens Erholungspark Marzahn bald mit Irrgarten

Stefan Jacobs

Kann es einen schöneren Zufall geben? Da wird im Erholungspark Marzahn ein Irrgarten angelegt und zum Bau ein Schwerlastkran bestellt. Aber der kommt zu spät, weil sich der Kranfahrer auf der Fahrt zum Irrgarten in den Straßen von Marzahn verirrt hat. Folglich begann die gestrige Grundsteinlegung etwas verspätet.

Dass überhaupt ein Kran gebraucht wurde, hängt mit zwei gewaltigen Steinblöcken zusammen, die das Tor zum Zentrum des Irrgartens bilden sollen. In diesem steht ein Ginkgobaum, der ebenfalls gestern vom Laster gehievt wurde. Der Ginkgo ist das Ziel (für den Rückweg gibt es eine Abkürzung). 700 Meter sind die gepflasterten Pfade lang, die zwischen immergrünen, übermannshohen Eibenhecken entlangführen, abknicken – oder plötzlich enden, wie das im Irrgarten üblich ist. Auch in dem von Hampton Court in England, der als Vorbild diente. Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Grün Berlin, sieht im Irrgarten die Metapher für den Weg des Lebens und im Spalt zwischen den beiden Steinblöcken das Symbol für den Kampf mit dem Minotauros. „Das legt Gefühle frei.“ Landschaftsarchitekt Thomas Bauermeister prophezeit, „dass im Irrgarten wildfremde Leute anfangen zu kommunizieren“. Die Suche nach dem rechten Weg werde die Neugier von Kinder beflügeln und die Ankunft unterm Ginkgobaum Menschen glücklich machen.

Doch all das ist Träumerei im Angesicht von Kran und Bagger; der Irrgarten wird erst im Jahr 2007 fertig. Die notwendigen 710000 Euro stammen größtenteils aus EU-Töpfen, zehn Prozent zahlt das Land. Die Steinblöcke stammen aus Brasilien und sollten zu Küchenarbeitsplatten verarbeitet werden – wenn nicht die Berliner Planer zur Küchenfirma nach Brandenburg gekommen wären und die Blöcke vom Hof weggekauft hätten.

Park-Öffnungszeiten: im September täglich von 9 bis 19 Uhr, im Oktober bis 17 Uhr, Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro.

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