Berlin : Ein Stern vor, zwei zurück

Michelin-Lob für das „Facil“, Tadel fürs „Lorenz Adlon“

Bernd Matthies

Kulinarische Negativbilanz für die Hauptstadt: Der Michelin-Führer entzieht Berlin zwei Sterne und rückt nur einen neuen heraus: Das „Facil" im Madison-Hotel am Potsdamer Platz trägt seit Mittwoch die heiß begehrte Auszeichnung. Küchenchef René Conrad sagte dazu, er habe gegenwärtig so viel zu tun und lebe in einem „Wahn vom Produzieren", dass er das hohe Lob für seine Arbeit noch nicht richtig würdigen könne, „aber das kommt bestimmt in der Nacht".

Gestrichen wurde - zwangsläufig - der Stern für das geschlossene Adermann; sehr hart ist die Entscheidung, auch das „Lorenz Adlon" zurückzustufen. Denn dort ist Küchenchef Karlheinz Hauser zwar gegangen, aber sein bisheriger Stellvertreter Thomas Neeser ist ja noch da, und er war am bisherigen Erfolg des Restaurants entscheidend beteiligt. Insgesamt gibt es in Berlin jetzt noch sechs Sterne, neben dem Facil außerdem wie bisher für First Floor, Margaux, Vau, die Quadriga und Hugenotten. Ein Zwei-Sterne-Restaurant hat Berlin weiter nicht zu bieten, in Brandenburg entfiel der Stern für das Storkower „Windspiel", weil Kurt Jäger ging.

Auch aus den anderen neuen Ländern gibt es nur den neuen Stern für den wiedereröffneten Leipziger „Stadtpfeiffer" zu erwähnen sowie die Streichung für „Büttner" in Schneeberg - insgesamt eine ungerechte Negativ-Bilanz für den gesamten Osten, denn auch der „Bib Gourmand", das Zeichen für gute Küche zu günstigen Preisen, geht an den neuen Ländern mit einer Neuaufnahme (Schwerin) nahezu komplett vorbei.

Der konkurrierende Restaurantführer Gault-Millau, der schon in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, würdigt das „First Floor“ und, erstmals, das „Margaux“ mit jeweils 18 von 20 Punkten als beste Berliner Restaurants - und stuft sie damit in der Relation bedeutend höher ein als der Michelin. In die erweiterte Spitzengruppe (17/20) sind zwei Restaurants neu aufgenommen worden: Das im vergangenen Jahr abgewertete „Ana e Bruno“ sowie das ein Jahr lang nicht bewertete „Harlekin“ im Grand Hotel Esplanade, das nach der Rückkehr des Küchenchefs Kurt Jäger sofort wieder nach oben aufrückte. René Conrad konnte sich im Gault-Millau von 15 auf 16 Punkte steigern. In Brandenburg gibt es an der Spitze zwei Restaurants mit je 16 Punkten: Das „17fuffzig“ im Hotel zur Bleiche in Burg/Spreewald wie bisher, und „Carmens Restaurant“ in Eichwalde, das in diesem Jahr einen Punkt aufgerückt ist. Dahinter folgt als einziges 15-Punkte-Restaurant der Vierseithof in Luckenwalde.

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