Berlin : Ein Streichelzoo im Büro

Die Bundesregierung lädt zum Tag der offenen Tür – wir testen die Ministerien schon vorher. Heute: Das Haus von Renate Künast

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Von Annette Kögel

„Einladung zum Staatsbesuch“ – unter diesem Motto lädt die Bundesregierung am 17. und 18. August zum Tag der offenen Tür. Die meisten Veranstaltungen haben einen Bezug zum Weltgipfel, der Ende August in Johannesburg beginnt. Der Tagesspiegel ist Medienpartner der Bundesregierung und lässt seine Leser eine Woche lang hinter die Kulissen verschiedener Bundesministerien blicken. Wir verraten Ihnen schon jetzt, was Sie während des „Staatsbesuchs“ erwartet – und nehmen die Ministerien mal anders unter die Lupe. Hier also unser Ministerien-Check, erster Teil: Das Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft von Renate Künast (Grüne).

Faktor Sympathie: Ein guter Start für das rund 100 Mitarbeiter starke Team aus der Wilhelmstraße 54 in Mitte. Gleich neben dem Einlass wartet eine Dame mit einem Blumenstrauß für eine Mitarbeiterin. Da fühlte sich wohl jemand gut behandelt. Die Angestellten grüßen sich freundlich. Marina Heinze und Elisabeth von Klinggräff im Künast-Vorzimmer bleiben so lange im Büro, „wie die Chefin da ist“. Hier im 2.Stock guckt bei der Arbeit also niemand auf die Uhr. Sonnenstrahlen erhellen die Zimmer unterm Dach. Eine nette Atmosphäre. Manchmal wird es aber ziemlich warm, denn auf eine Klimaanlage hat man auch aus ökologischen Gründen verzichtet. Dafür gibt es aber Pluspunkte in der nächsten Kategorie.

Faktor Nachhaltigkeit: Kennen Sie die Schlagworte zum Johannesburg-Weltgipfel? Globalisierung und die Folgen, Ressourcenschonung, Verantwortung für die nächsten Generationen, Umweltverträglichkeit, langfristige Entwicklungshilfe, das wären einige. Während der Tage der offenen Tür will der Bund die Berliner dafür sensibilisieren. Wie hält sie es aber in den eigenen Ministerien? Im Hause Künast geht man mit gutem Beispiel voran. Der Kaffee ist fair gehandelt, die Tische in den Konferenzzimmern sind aus Esche, die Dielen aus amerikanischem Nussbaum. Auf Tropenholz wurde bewusst verzichtet. Der Müll wird sogar fünffach sortiert. Einen Extrapunkt gibt es für die Solaranlage, dank der seit 1999 neun Tonnen Kohlendioxid weniger in den Himmel über Berlin gepustet wurden - steht auf der Armatur.

Faktor Historie: Modernste Technik auf dem Dach, viel Historie im Mauerwerk. Das Gebäude wurde einst 1900 fertiggestellt und kann mit einer wechselvollen Geschichte aufwarten. 1920 Sitz des Preußischen Ministerpräsidenten; bis 1941 Dienstsitz von Rudolf Heß, später kam Konrad Adenauer. Zu DDR-Zeiten zogen Studenten ins Wohnheim, dann der DDR-Staatsverlag – die aktuellen Anrainer sind bekannt. Mehr als genug Stoff für Hausführungen.

Faktor Würde: Der rote Teppich im Marmor-Hausflur gibt für Fernsehaufnahmen einiges her, beliebt ist bei Kamerateams auch die blaue Wand mit der Ministeriums-Internetadresse im ersten Stock. Renate Künst zeigt sich der Medienöffentlichkeit aber auch gern im zweiten Hof, der ist so schön begrünt. Die beiden Sitzungsräume sind eher schlicht eingerichtet - bis auf die fliegende Kuh. . Schließlich wird hier gearbeitet.

Faktor Originalität: Hundert Punkte für Renate Künast. In ihrem Büro steht ein ganzer Streichelzoo: Plüsch-Pelztiere, Kühe in allen Variationen – Geschenke von Tierlobbyisten. Die Ministerin mag Karikaturen, das sieht man. Die Aktenberge hat sie ordentlich aufgeräumt – sie gilt als genaue Leserin. Bei den Verbraucherschützern spielt die Musik: Im Hinterhof residiert eine Musikschule.

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