• Ein Stück Sonnenschein aus Israel für Berlin - Residenz und Verwaltungsgebäude stehen in Wilmersdorf dicht nebeneinander

Berlin : Ein Stück Sonnenschein aus Israel für Berlin - Residenz und Verwaltungsgebäude stehen in Wilmersdorf dicht nebeneinander

Alexander Pajevi¿c

Mit dem Hochziehen des Richtkranzes wurde gestern in Wilmersdorf das Richtfest für die Botschaft des Staates Israel begangen. David Walzer, der Geschäftsträger der Botschaft - Israel hat seit dem Fortgang von Avi Primor im vergangenen Jahr noch keinen neuen Botschafter entsandt -, würdigte den Bau in einer Ansprache als ein hoffnungsvolles Symbol für die zukünftigen deutsch-israelischen Beziehungen.

Für andere Botschaften sei der Umzug von Bonn nach Berlin nur eine Rückkehr an ihren alten Standort, für den erst 1948 gegründeten Staat Israel bedeute er jedoch weitaus mehr. Er hoffe jedoch hier auf ähnlich gute Beziehungen, wie sie zu der Bonner Bevölkerung bestanden hätten.

Auf einem etwa 9000 Quadratmeter großen Areal an der Kreuzung von Reinerz- und Auguste-Viktoria-Straße entsteht derzeit ein modernes Verwaltungsgebäude nach den Plänen der israelischen Architektin Orit Wilenberg-Giladi. Eine auf dem Grundstück noch vorhandene, 1929 vom jüdischen Kommerzienrat Herrmann Schlöndorff erbaute Villa wird umgebaut und soll den zukünftigen Botschaftern als Residenz dienen. Bis vor zwei Jahren hatte sich an dem Standort das Oberlin-Seminar des Diakonischen Werkes befunden.

Durch den gemeinsamen Standort von Residenz und Verwaltungsgebäude sind weniger sicherheitsbedingte Behinderungen der Öffentlichkeit zu erwarten. Dennoch hatte es bei Bekanntwerden der Baupläne von einigen Anwohnern Proteste gegeben, die um ihre Sicherheit besorgt sind.

Walzer äußerte zwar Verständnis, hob jedoch hervor, dass es keinen Grund für diese Bedenken gebe. Er hoffe, dass die Sicherheitsfrage "zukünftig immer weniger ein Problem für uns und für unsere Nachbarn sein wird." Von Seiten der ausführenden Specker Bauten AG wurde gestern eine Fertigstellung der umfangreichen Bauarbeiten bis zur Mitte dieses Jahres angekündigt. Bis dahin wird die Botschaft weiter im ehemaligen israelischen Konsulat in der Grunewalder Hagenstraße bleiben. Der Bezirksbürgermeister von Wilmersdorf, Michael Wrasmann, äußerte sich in seiner Ansprache erfreut darüber, dass die israelische Vertretung im Bezirk bleibt. "Wilmersdorf ist ein guter Standort für die Botschaft", sagte er. Hier zeigten sich die Höhen und Tiefen deutsch-jüdischer Beziehungen: Vor 1933 sei Wilmersdorf eines der Zentren jüdischer Kultur in Berlin gewesen, danach aber auch Ort der Vertreibung und der Deportation aus der Stadt.

Wrasmann hob die enge Verbundenheit von Wilmersdorf zu Israel hervor und lobte die architektonische Gestaltung der Botschaft, die in seinen Worten "ein Stück Sonnenschein des Landes nach Berlin" bringen wird.

Avi Primor hatte 1998, als er die ersten Pläne seiner Regierung vorstellte, davon gesprochen, dass die Berliner Vertretung Israels schönste Botschaft werden solle. Die leicht ansteigende Fassade des transparenten Gebäudes wird sich im Material an die aus regionalem Sandstein gebaute Villa anpassen. Beide Dächer werden mit Kupfer gedeckt. An der leicht ansteigenden Außenmauer des Neubaus werden sechs markante, aus Jerusalemer Stein errichtete, säulenartige Steinstrukturen hervorstechen. Diese sollen an die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden erinnern, sagte die Architektin Giladi gestern.

Sie hob auch die Bedeutung des Gebäudes für sich persönlich hervor. Als in Israel geborene Tochter von Holocaust-Überlebenden sei es für sie ein großer Schritt gewesen, als sie vor zwei Jahren das erste Mal nach Deutschland gekommen sei, um die Planungen für den Neubau zu beginnen. "Für mich hat sich damit ein historischer Kreis geschlossen", sagte sie.

Dies solle auch Thema des neuen Gebäudes sein, das sowohl die befrachtete Vergangenheit als auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft widerspiegele. Zu der Veranstaltung waren auch zahlreiche Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, darunter ihr Vorsitzender Andreas Nachama, erschienen.

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