Berlin : Ein Stück Spandau am Grand Canyon

Glasfirma baut spektakuläre Aussichtsplattform

Rainer W. During

Touristen werden von einer spektakulären Aussichtsplattform in 1200 Metern Höhe das Naturschauspiel des amerikanischen Grand Canyon bestaunen können. Den Durchblick auf einer der höchstgelegenen Stahl-Glas-Konstruktionen der Welt liefert dabei eine Firma aus Berlin. Die 49 Teile der Brüstung liefert die Spandauer Glasbiegerei Döring. „Das ist unser bisher spektakulärstes Projekt“, sagt Geschäftsführer Detlef Buchwald. 20 Meter weit wird der „Skywalk“ in den Canyon hinein ragen. Nicht nur die rund 1,6 Meter hohe Brüstung ist aus Glas, sondern auch der 5,5 Zentimeter dicke Boden, den ein Schwesterunternehmen aus Köln herstellt. So können schwindelfreie Besucher senkrecht auf den 1,2 Kilometer tiefer liegenden Colorado River blicken.

Die hufeisenförmige Aussichtsplattform ist Herz des neuen Besucherzentrums Grand Canyon West. Es wird vom Stamm der Hualapai-Indianer, dem das Gelände gehört, gemeinsam mit dem Unternehmer David Jin aus Las Vegas realisiert. Zu dem Multi-Millionen-Dollar-Projekt gehören auch Restaurants, ein Museum, ein Kino und ein Saal, in dem auch Trauungen stattfinden sollen.

Die international anerkannte Qualität des nach einem speziellen, selbst entwickelten Verfahren hergestellten Verbundglases hatte die Amerikaner nach Berlin geführt. Die im Staakener Werk gefertigten Teile befinden sich in den Fassaden des Leipziger Porsche-Zentrums und des Londoner Cardinal Place ebenso wie in einer reichstagsähnlichen Glaskuppel, die gerade in Georgien entsteht. Für das „Skywalk“-Projekt ließen die Amerikaner die Leistungsfähigkeit des Berliner Werkes von unabhängigen Instituten überprüfen, sagt Geschäftsführer Buchwald.

Das Traditionsunternehmen wurde 1933 von dem Glasermeister Franz Döring gegründet. In den 50er-Jahren wurden unter anderem auch gebogene Scheiben für Musikboxen gefertigt. 1995 verkaufte die Familie den Betrieb an die französische Saint-Gobain-Gruppe. Seit 2003 steht die neue Fabrik mit 50 Beschäftigten im Staakener Zeppelin-Gewerbepark.

Rund einen Monat dauerte die Herstellung der 28 gebogenen und 21 planen Elemente aus besonders transparentem und farbneutralem Glas. Im Container gelangten sie per Schiff und Truck nach Arizona, wo jetzt die Einpassung in den vorbereiteten Stahlrahmen erfolgt. Zwischen dem 27. Februar und dem 3. März soll die 482 Tonnen schwere, freitragende Aussichtsplattform dann in Position geschoben werden. Die Eröffnung des „Skywalk“ ist für den 28. März vorgesehen. Besucher müssen dann für das luftige Vergnügen 25 Dollar (rund 19 Euro) Eintritt bezahlen.

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