Berlin : Ein Stück Venedig in Mitte

Bald soll die neue Monbijou-Brücke fertig sein – nach historischem Vorbild und doch anders

Lothar Heinke

Trotz sengender Hitze in den vergangenen Tagen: Auf, neben und unter der Monbijou-Brücke wurde emsig gebaut. Jetzt sollen Sandsteinplatten auf den elegant geschwungenen Stahlbogen montiert werden, dann folgt der Fahrbahnbelag. Im Herbst möchte man fertig sein. Dann verbindet das neue Bauwerk wieder das „Festland“, die Monbijoustraße in Mitte, mit der Museumsinsel, und der Spaziergänger gelangt geradewegs ins Bode-Museum, das wie ein Schiffsbug in den Fluss sticht – dort, wo Spree und Kupfergraben ihr ewiges Rendezvous haben.

Die neue Brücke spannt sich in einem Stück über den Fluss. Ihre Vor-Vorgängerin hatte Ernst von Ihne 1903 mit einem Mittelpfeiler konzipiert, diese Brücke war 1945 von deutschen Truppen gesprengt worden, die Nachfolgerin blieb ein sachliches Provisorium. Jetzt kehrt ein Stück historisches Berlin zurück.

Architekt Bernhard Strecker, der in den letzten Jahren die neue Amalienbrücke über den Küstenkanal am Hafen im Zentrum von Ildenburg und die „Jahrtausendbrücke“ über die Havel in Brandenburg gebaut hatte, prägt den Begriff von „szenischer Architektur“, wenn er über die Monbijou-Brücke und deren Umfeld spricht. Die neue sei „als Teil eines Bühnenbildes, einer szenischen Architektur im Wasser“ zu begreifen. Der Architekt schwärmt von „poetischen Orten“, die seit einigen Jahren auf ehemals verwahrlosten Grundstücken entlang der Spree sprießen, südliche Lebensfreude und Lebenskunst breiten sich aus. Bestätigung findet, wer am Ende der Monbijoustraße und am Anfang der Brücke nach links geht: Das Hexenkessel-Hoftheater bringt mit Goldoni ein Stück Italien ans Ufer der Spree, und gleich daneben lässt es sich am Sandstrand von Monbijou unter Palmen, in Liegestühlen, Strandkörben und feinem, naja, Ostseesand so wunderbar leichtfüßig träumen. Die Poesie des Ortes mit dem Bode-Museum als steinerner Kulisse – und bald auch mit der neuen Brücke. Ohne Mittelpfeiler. Wegen der Schifffahrt. Und vielleicht auch ein bisschen wegen Venedig. Brücken haben wir eh mehr als die Venezianer, und der touristische Schiffsverkehr kann sich wohl auch mit der Gondelei auf dem Canale Grande vergleichen lassen.

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