Berlin : Ein Tag der Arbeit – vor allem für die Polizei

7500 Beamte sind im Einsatz. Bei einigen Demonstrationen werden Krawalle befürchtet. NPD bringt Ausländer mit

Jörn Hasselmann,Frank Jansen

Von Jörn Hasselmann

und Frank Jansen

Für 7500 Polizisten wird der 1. Mai ein Tag der harten Arbeit. 67 Demonstrationen und Feste wurden bei der Polizei angemeldet, nur bei wenigen wird Gewalt befürchtet. Polizeipräsident Glietsch kündigte gestern ein Konzept der „ausgestreckten Hand“ an, etwa 100 Beamte der „Antikonflikt-Teams“ sollen mäßigend einwirken. Diese Beamten tragen keinen Kampfanzug und Helm, sondern eine gelbe Weste und eine Baseball-Kappe. Glietsch weiß aber auch, dass „es Straftäter gibt, die an unserer ausgestreckten Hand nicht interessiert sind“. Dass sich die Polizei wie im Vorjahr mit ihrer optischen Präsenz zurückhalte, bedeute nicht, „dass wir polizeifreie Räume zulassen“. Wer Steine wirft, soll „beweissicher“, also unter Einsatz von Videokameras festgenommen werden, kündigte 1.-Mai-Einsatzleiter Alfred Markowski an.

Als heikel gilt bei der Polizei besonders die Demo von Autonomen ab 18 Uhr von Mitte nach Kreuzberg (alle Demorouten auf Seite 10). Wie in den Vorjahren wird vor allem in der Walpurgisnacht im Mauerpark in Prenzlauer Berg mit Krawall gerechnet. „Da tobt der Mob“, weiß Polizeidirektor Michael Knape, der wieder den Einsatz in der Walpurgisnacht leiten wird: „8000 bis 10 000 Leute sitzen im Mauerpark, schütten sich mit Alkohol zu und um 23 Uhr ziehen alle auf die Eberswalder Straße und zetteln Krawall an.“

In diesem Jahr werde ein großes Straßenfest auf der Eberswalder Straße dieses Ritual durchbrechen, hofft Knape. Für Unfrieden könnte allerdings die von Autonomen angemeldete Kundgebung sorgen, die von 19 bis 23 Uhr auf der Kreuzung Eberswalder / Schwedter Straße stattfinden soll. Schon in den vergangenen Nächten hatte es teilweise heftige Rangeleien mit der Polizei gegeben. Im vergangenen Jahr war sogar die Feuerwehr, die zu groß gewordene Feuer löschen sollte, mit Steinen angegriffen worden. In diesem Jahr werden Maifeuer im Mauerpark wieder toleriert, das Bezirksamt stiftet sogar das Holz dafür. Auf dem Boxhagener Platz, aus Polizeisicht dem zweiten Brennpunkt in der Walpurgisnacht, will die Polizei keine Lagerfeuer zulassen. Auf dem Kollwitzplatz könnte es friedlich bleiben, denn dort öffnen alle Kneipenwirte.

Am Vormittag des 1. Mai beginnt der Demoreigen mit einem Aufmarsch der NPD. Die rechtsextreme Partei hofft, nach dem gescheiterten Verbotsverfahren nun einen Triumphzug veranstalten zu können. In Sicherheitskreisen sind jedoch Zweifel zu vernehmen. In der NPD gebe es Streit, gerade in Berlin und Brandenburg. Außerdem laste der Verdacht, in der Partei tummelten sich weiterhin Spitzel, auf der Führungsriege.

Als Redner hat die NPD für den 1. Mai neben dem Parteivorsitzenden Udo Voigt den Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger und zwei Führungsfiguren aus dem Ausland angekündigt. Der Italiener Roberto Fiore und der Brite Nick Griffin sollen sprechen. Fiore steht in Verdacht, an terroristischen Aktionen beteiligt gewesen zu sein. Griffin leitet die „British National Party“, die mit rassistischer Hetze Unruhen provoziert hat.

Aus Sicht der Berliner Polizei hängt viel vom Wetter ab. 16 bis 20 Grad, weitgehend trocken, prophezeien die Meteorologen für den 1. Mai. „Regen kühlt die erhitzten Gemüter ab“, weiß Polizeidirektor Knape. Doch in den vergangenen Jahren hatte die Polizei fast immer Pech. Der 1. Mai war bis auf 1991 sonnig – mit den bekannten Ergebnissen.

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