• Ein Toter und vier Verletzte bei Unfällen mit Straßenbahnen in Potsdam: Bei Verfolgungsjagd vor die Tram gelaufen

Ein Toter und vier Verletzte bei Unfällen mit Straßenbahnen in Potsdam : Bei Verfolgungsjagd vor die Tram gelaufen

Erst schlug er einen 19-Jährigen, dann verfolgte er ihn - und starb unter einer Straßenbahn: Kevin P. ist tot, er geriet bei einer Verfolgung unter eine Straßenbahn. Bei zwei weiteren Tram-Unfällen am selben Tag wurden vier Menschen verletzt - und alles innerhalb weniger Stunden.

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Gedenken. An die Unfallstelle haben Freunde von Kevin P. Kerzen und ein Foto gestellt.
Gedenken. An die Unfallstelle haben Freunde von Kevin P. Kerzen und ein Foto gestellt.Foto: Andreas Klaer

Drei Straßenbahnunfälle innerhalb von rund zwei Stunden, ein Toter, vier Verletzte – die Potsdamer Verkehrsbetriebe waren am Dienstag von einer der schlimmsten Unfallserien ihrer Geschichte betroffen. Der folgenschwerste Unfall ereignete sich kurz nach 17 Uhr im Plattenbauviertel Drewitz. Dort geriet der 25-jährige Kevin P., nachdem er Polizeiangaben zufolge eine Schlägerei angezettelt und einen 19-Jährigen geschlagen hatte, bei der Verfolgung seines Opfers unter eine Straßenbahn.

Er erlag noch am Unfallort, der Haltestelle Hans-Albers-Straße, seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet, die Ergebnisse stehen noch aus.

Am Unglücksort hatten Freunde des jungen Mannes und Passanten am Mittwochmittag Kerzen und Fotos des Verstorbenen aufgestellt – er hätte heute Geburtstag gefeiert. „Hier in Drewitz passiert dauernd so eine Scheiße“, sagt eine junge Frau. Eine andere meint, Kevin P. sei „eigentlich ein ganz Sensibler“ gewesen.

Für den Dienstagnachmittag galt das nach Erkenntnissen der Polizei offenbar nicht. Vor dem Unfall habe der bei der Polizei bisher unbekannte 25-Jährige nämlich einen 19-jährigen Deutschen mit Migrationshintergrund unvermittelt angegriffen und ihm eine Kopfnuss mit der Hand verpasst. Einen politischen Hintergrund des Angriffs schloss eine Polizeisprecherin allerdings aus. Auch hätten sich die beiden jungen Männer nicht gekannt.

Aus Angst sei der 19-Jährige geflüchtet – Kevin P. rannte laut Zeugen hinterher. „Auf dem Bahnsteig kam er ins Straucheln und touchierte mit der Schulter die einfahrende Bahn“, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Eine Vollbremsung des Fahrers habe das Unglück nicht mehr verhindern können.

Um den Leichnam zu bergen, habe der erste Wagen der Tatrabahn von der Feuerwehr angehoben werden müssen. Kevin P. habe unter Alkoholeinfluss gestanden, hieß es von Ermittlern. Ein Begleiter des Unfallopfers sei so stark alkoholisiert gewesen, dass er nicht vernommen werden konnte. Ein Verschulden des Tramfahrers könne derzeit ausgeschlossen werden, sagte die Sprecherin. Der Mann stehe unter Schock und sei noch nicht vernommen worden.

Eine Stunde vor dem Unfall in Drewitz hatte eine 16-jährige Potsdamerin sich bei einem Tram-Unfall den Arm gebrochen. Sie war gegen 16.10 Uhr in der Heinrich-Mann-Allee an der Haltestelle Waldstraße von einer Straßenbahn erfasst worden, als sie über die Gleise lief und laut Polizei offenbar nicht auf die Tram achtete. Eine Frau in der Bahn stürzte bei der Vollbremsung und verletzte sich leicht.

Begonnen hatte die Unfallserie in der Ricarda-Huch-Straße am Kirchsteigfeld. Dort war an der Haltestelle Am Hirtengraben eine bislang unbekannte Frau vor eine Tram gelaufen, deren Fahrer stark abbremsen musste. Dadurch stürzten eine 27-jährige Potsdamerin und ihr dreijähriger Sohn in der Bahn. Beide erlitten Prellungen, unter anderem am Kopf.

Nun sucht die Polizei die unbekannte Frau, die mit einem Hund unterwegs gewesen sein soll und nach dem Unfall einfach flüchtete.

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