Berlin : Ein unerwünschter Akt

Bordell wollte für Kindereinrichtung Arche spenden – doch die lehnte ab

Annette Kögel

Wenn einer Geld spenden will, ist er meistens willkommen. Egbert Krumeich ging es anders. Der Bordellbesitzer und Betreiber des FKK Wellness Saunaclubs „Artemis“ in Wilmersdorf („Berlins erotischer Höhepunkt“) wollte anlässlich des Weihnachtsfestes 20 000 Euro für Bedürftige spenden. Bei zwei von sechs potenziellen Empfängern stieß Krumeich jedoch auf Ablehnung. Die Hellersdorfer Kindereinrichtung Arche und auch der Kinderring wollten seine Unterstützung nicht haben.

„Wir betreuen hier auch einige sexuell missbrauchte Mädchen und Jungen sowie Kinder, bei denen die Ehe der Eltern scheiterte, weil der Vater zu Prostituierten ging“, sagt Arche-Sprecher Wolfgang Büscher. In die von Pater Bernd Siggelkow gegründete Einrichtung in Hellersdorf kommen täglich rund 400 Kinder, in Mitte werden in Kooperation mit dem Johanniterorden rund 80 Kinder betreut.

„Durch unsere Ablehnung wollten wir auf niemanden mit dem Finger zeigen“, sagt der Arche-Sprecher , „doch Pornografie und Kinder, das passt nicht zusammen.“ Man wollte sich zudem nicht „an einer PR-Show beteiligen “ – hatte der Bordell-Betreiber doch auch die Medien zur Spendenübergabe in den Club geladen. Die Arche wies bereits ein ähnliches Angebot von „Botschaftsluder“ Djamila Rowe zurück, diese hatte Einnahmen eines Internet-Striptease-Spiels angeboten, sagt Büscher. Wenn das Bordell jedoch anonym ohne Presse überwiesen hätte, „wäre das okay, das kann man nicht verhindern“.

Das wiederum hält Artemis-Chef Egbert Krumeich für eine „Doppelmoral“. Für den früher im Sozialwesen tätigen Bordellleiter, selbst Vater, seien „leuchtende Kinderaugen das Schönste, was es gibt“. Er verstehe nicht, dass Einrichtungen über Finanznot klagen, Geld aber nicht annehmen – zumal es sich nicht um Anteile von Freiergebühren handele. „Die Spenden stammen von den 70 Euro Eintritt in den Club, und nicht jeder Gast geht ja aufs Zimmer.“ Zudem sei Prostitution legal, die Zurückweisung daher ein Akt der „Diskriminierung“. Felicitas Schirow, Chefin des Bordells „Café Pssst“ in Wilmersdorf, sagte dazu, sie würde wenn, dann privat spenden, und dass sie sich ob der Geschäftslage über die Spendensumme der Konkurrenz sehr wundere. Je 5000 Euro nahmen die Leiter der Obdachlosenzeitung Straßenfeger, die Berliner Tafel, ein Behindertenschwimmclub sowie „Kindervereinigung e.V.“ im Bordell entgegen.

Indes wird weltweit vom Geschäft mit Sex profitiert. In Istanbul hofieren Stadtoffizielle die Bordellchefin, weil sie die meisten Steuern zahlt. Auch Köln meldet stetig steigende Einnahmen durch die einzigartige „Sexsteuer“ .

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