Ein ungenutztes Potenzial : Politiker reagieren auf die neuen Migrantenzahlen

Die Zahlen haben manchen überrascht - in Berlin sind noch viel mehr Menschen Migranten als gedacht. Nach neuen Berechnungen des Statistischen Landesamts soll jeder vierte erwachsene Berliner einen Migrationshintergrund haben, unter Kindern sogar fast die Hälfte. Was aber folgt daraus für die Politik?

Fatina Keilani

„Es gibt offenbar viele Migranten, denen man das nicht ansieht“, sagt die Grünen-Politikerin Bilkay Öney. „Das heißt, Integration ist vielfach besser gelungen, als man denkt.“ Dennoch sei noch viel zu tun, denn speziell auf den Gebieten Bildung und Beruf seien Migranten weiter abgeschlagen. Der Senat sei in seiner Förderpolitik ineffizient und beliebig, kritisiert Öney. Zu viele Projekte kosteten eine Menge Geld, ohne etwas zu bringen. Öney nannte als Beispiel das Projekt „Ausbildung in Sicht“, mit dem junge Migranten ohne Schulabschluss an Berufe herangeführt werden sollen. Die Zahl derer, die hinterher eine Ausbildung machten, sei verschwindend gering.

Der CDU-Integrationpolitiker Kurt Wansner sieht genau an dieser Stelle den größten Bedarf. „Wir werden in Kürze unter Lehrlingsmangel leiden, und zugleich gibt es jugendliche Migranten, die sich selbst schon aufgegeben haben und die ohne Perspektive sind“, sagt Wansner. Er höre immer wieder von der Fachgemeinschaft Bau, der Glaser-Innung und anderen, dass sie diese jungen Menschen gerne ausbilden würden – „aber der Senat ist auf diese Angebote nicht eingestiegen.“ Wer sich als Jugendlicher hängen lasse, dem sollte allerdings, so Wansner, auch die Unterstützung gestrichen werden.

In der nächsten Generation bilden Deutsche gar nicht mehr die Mehrheit. Damit stellt sich auch die Frage der Integration neu. „Integration ist ein wechselseitiger Prozess“, meint denn auch die SPD-Politikerin Susanne Kitschun. „Am Ende kann nur etwas Neues, Gemeinsames stehen.“ Migranten besäßen eine Menge Potenzial, das es zu nutzen gelte. Hier sieht FDP-Mann Rainer-Michael Lehmann speziell beim rot-roten Senat Defizite. „Rot-rot will die Leute an die Hand nehmen und nicht wieder loslassen“, sagt Lehmann: „Sinnvoll wäre es, allen dazu zu verhelfen, möglichst bald auf eigenen Beinen zu stehen.“ Im Grundsatz sei Migration ein Gewinn für eine Gesellschaft. Aber wer sich nicht bemühe, der solle auch Sanktionen spüren. 

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