Berlin : Ein Vorfall, zwei Versionen

Die Polizei meldet, dass Zivilbeamte in einer Kneipe eine Frau belästigt haben. Der Wirt dagegen sagt, die Frau habe die Polizisten attackiert. Was ist wahr?

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Bei der bunten Vatertagsgesellschaft in der Bierschänke „Hubertus“ ist das Ereignis auch nach drei Tagen noch Gesprächsthema: Vier angetrunkene Polizisten, die außer Dienst waren und von einer Feier kamen, sollen am Montagabend in dem Reinickendorfer Lokal eine 35jährige Frau beleidigt haben. Wie berichtet, hatte die Polizeipressestelle diesen Vorfall gemeldet. Demnach soll einer der Beamten die Frau auch unsittlich berührt haben. Ein zweiter habe sie zu Boden geworfen, sich auf sie gekniet. Der Polizist habe erst von der Frau abgelassen, als sich ein Kollege einmischte.

Diese Darstellung „muss relativiert werden“, sagte „Hubertus“-Wirt Ralf van Ackeren. Er sei zwar nicht Augenzeuge gewesen,aber von einer Angestellten und Gästen informiert worden. Deren Aussage zufolge sei die Frau plötzlich einem der Polizisten auf den Rücken gesprungen und habe ihm das Basecap vom Kopf geschlagen: „Sie ist ausgeflippt.“ Van Ackeren kennt die 35-Jährige aus seinem Lokal. Er sagt, dass es mit ihr schon häufiger Probleme gegeben habe. Wie der Wirt weiter sagt, hätten die Polizisten zwar Bemerkungen gemacht, aber die 35-Jährige sei nicht Ziel ihrer Äußerungen gewesen. Angefasst hätten sie sie nicht: „Da wäre ihr Freund aber der Erste gewesen, der eingeschritten wäre.“ Aber selbst der konnte seine Begleiterin nicht beruhigen und hätte fast eine Ohrfeige von ihr erhalten, berichtete Ralf van Ackeren. Er ist nach eigenen Worten der Bruder des Regisseurs Robert van Ackeren („Die flambierte Frau“).

Als die Frau dem Polizisten auf den Rücken gesprungen war, kam ihm ein Kollege zu Hilfe. Der habe sie umfasst, weil sie um sich schlug. Das habe ihm einen Tritt in den Unterleib eingebracht. Danach sei die Frau tatsächlich zu Boden geworfen worden. Nachdem sie wieder auf den Beinen stand, rief die 35-Jährige über ihr Mobiltelefon die Polizei zu Hilfe. Bevor ihre Streifenkollegen eintrafen, verließen die vier Männer das Lokal – keineswegs jedoch fluchtartig, wie es der Polizeibericht meldet, sondern „ganz normal“, so der Wirt. Seiner Kenntnis nach seien bisher keine Zeugen befragt worden. Lediglich die Frau und deren Freund – und das außerhalb des Lokals.

Die Polizeiführung hat bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung im Amt eingeleitet und offenbar bereits zwei der Beamten aus der Direktion 1 identifiziert. Von der Polizei war gestern keine Stellungsnahme zu erhalten.

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