Berlin : Ein Vorgarten für den Potsdamer Platz

Senat beschließt im zweiten Anlauf einen Masterplan für das Kulturforum: Aus der Brachfläche soll eine Parklandschaft mit flachen Bauten werden

Frederik Hanssen

Die gute Nachricht zuerst: Der Currywurstbude gegenüber der Staatsbibliothek droht keine Gefahr. Auf dem „Masterplan zur Weiterentwicklung des Kulturforums“, den der Senat gestern abgesegnet hat, sind an der Potsdamer Straße keinerlei Gebäude vorgesehen. Stattdessen erstreckt sich ein weiter Park vom Landwehrkanal bis zum Tiergarten. Mit der Grillwurst in der Hand kann man nach dem Willen von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hier also bald über verschlungene Wege flanieren, die aus der Luft gesehen wie ein Giraffenfell aussehen.

Seit vier Jahrzehnten dauert der Kampf um eine Lösung für das Kulturforum nun schon an – und bislang wurde noch jeder Entwurf zerredet. Im März 2004 unternahm Senatsbaudirektor Hans Stimmann einen letzten Versuch, den gordischen Knoten noch vor seiner Pensionierung im kommenden Jahr zu durchschlagen. Weil der schon im Senat abgeschmettert wurde, musste noch einmal intensiv nachverhandelt werden. Ein ganzes Jahr lang stritten, planten, korrigierten die Experten. Gestern klappte es dann mit der modifizierten Vorlage.

Stimmanns Idee war es diesmal, keinen internationalen Wettbewerb im Bereich Stadtplanung auszuschreiben, sondern direkt mit den Platz-Anrainern – den staatlichen Museen, der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Matthäi-Kirche – ein Konzept zu entwickeln. Ganz pragmatisch, ganz auf die konkreten Bedürfnisse an diesem Ort abgestimmt. Schließlich darf die „Weiterentwicklung“ das finanziell klamme Land keinen Cent kosten. Man ist mithin auf private Geldgeber angewiesen. Darum enthält der Entwurf, der nun ans Abgeordnetenhaus weitergeleitet wird, auch nur vage Nutzungsvorschläge für die geplanten Neubauten: „Kulturnahe“ Angebote wie Cafés, Buchhandlungen und Kunst-Galerien sind erwünscht.

Insgesamt wirkt die zweite Fassung bescheidener als der Vorschlag vom März 2003: Statt der beiden „Torhäuser“, die zwischen Philharmonie und Staatabibliothek rechts und links der Potsdamer Straße errichtet werden sollten, sind nun nur noch ein Flachbau auf der Seite des Konzertsaals sowie ein kleiner Würfel nördlich der Staatsbibliothek vorgesehen. Aus dem Hochhaus auf dem Grundstück am Landwehrkanal ist ein Neun-Etagen-Bau geworden, der terrassenförmig Richtung Nationalgalerie abfällt. Kleiner dimensioniert ist jetzt auch die Bebauung an der Matthäi-Kirche: Zwei Stadthäuser sind geplant, zwischen denen man von der Potsdamer Straße aus das Gotteshaus sehen kann.

Wegfallen soll die Piazzetta, jene umstrittene Rampe, die zu den Museen hinaufführt. Stattdessen will man einen Hof mit Kolonnaden-Umgang schaffen. Begrenzt werden soll er durch zwei Gebäude, von denen das nördliche allerdings so hoch auftragt, dass es die ungeliebte Fassade des Kunstgewerbemuseums vollständig verdeckt. Zugunsten der neuen Parklandschaft soll übrigens die Herbert-von-Karajan-Straße vor dem Kammermusiksaal „zurückgebaut“ werden. Außerdem fallen die Autoparkplätze an der Philharmonie und der Staatsbibliothek weg.

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