Berlin : Ein weltmeisterlicher Kraftakt

Bereits zur Fußball-WM 2006 soll in Schönefeld das neue Terminal fertig sein – an diesem Zeitplan zweifeln die Experten

Klaus Kurpjuweit

Die Immobiliengruppe IVG will bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ein neues Abfertigungsgebäude eröffnen. An diesem Zeitplan gibt es erhebliche Zweifel. Damit wäre Berlin auf Weltrekordkurs. In München hat es fast sieben Jahre gedauert, ein zweites Terminal auf dem Flughafen zu bauen. In Schönefeld wollen die IVG-Planer das alte Gebäude jedoch in den Neubau integrieren, was den Bau erschwert. Der Flugbetrieb soll nämlich weitergehen.

Nicht nachgewiesen hat IVG zudem, ob mit dem „Erweiterungsbau“ in Schönefeld tatsächlich bis zu 17 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden könnten. Derzeit reicht das vorhandene Gebäude aus DDR-Zeiten für 4,5 Millionen. Abgefertigt werden derzeit aber nur knapp 2 Millionen. Eine Kapazität für 17 Millionen Fluggäste wäre erforderlich, um Tempelhof und Tegel wie geplant schließen zu können. Derzeit fliegen etwa 12 Millionen Passagiere über Schönefeld, Tegel und Tempelhof zusammen. Die Schließungsanträge für Tegel und Tempelhof sind eingereicht, das Aus für Tempelhof könnte bereits 2004 kommen.

Umstritten ist auch das von IVG vorgelegte Konzept. Schönefeld würde damit von Anfang an zu einem Flughafen der langen Wege, was die Planer mit dem Neubau eigentlich vermeiden wollten. Da IVG auf den Bau eines neuen Bahnhofes verzichten will, der derzeit unter dem neuen Terminal geplant ist, bleibt der Weg vom Bahnhof zum Terminal fast so weit wie heute. Auch innerhalb des Flughafens würden die Wege weit, wenn er, wie IVG vorschlägt, bei steigender Nachfrage erweitert wird. Die verschiedenen Gebäude müssten unterirdisch verbunden werden. Im internationalen Flughafengeschäft geizt man inzwischen aber um Minuten. München etwa ist stolz darauf, im neuen Terminal eine Umsteigezeit von 30 Minuten bieten zu können. Frankfurt gibt 45 Minuten an. Nur mit solch günstigen Zeiten hätten Flughäfen die Chance, ein Drehkreuz zu werden. Deshalb sehe das bisherige Konzept auch den Bau der Abfertigungsanlagen zwischen den Start- und Landebahnen vor. Im IVG-Konzept werde der Flughafen jedoch „zerstückelt“. Völlig neu konzipiert werden müssten die Verkehrswege. Hier gibt es Zweifel, ob die erforderlichen Straßen für die An-und Abfahrt dort überhaupt untergebracht werden könnten. Auch dafür seien, sagen Fachleute, auf jeden Fall aufwändige Genehmigungsverfahren erforderlich, so dass der Zeitplan bis 2006 kaum zu halten wäre.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar