Berlin : Ein Werk der Zerstörung

Eine 35-jährige Frau randalierte in der Flick-Ausstellung – jetzt sollen die Wächter besser geschult werden

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Nach der Attacke auf zwei Kunstwerke der FlickSammlung am Mittwochabend soll die Sicherheit der Ausstellung verbessert werden. Das kündigte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, an. Das Wachpersonal solle gründlicher auf Störungen vorbereitet werden (siehe Kasten).

Der Vorfall geschah am ersten Tag der Schau: Eine 35-jährige Spandauerin sprang auf Werken des US-Künstlers Gordon Matta-Clark herum und beschädigte das eine schwer. Zwei anwesende Mitarbeiter des Berliner Wachdienstes AMZ schritten nicht selbst ein, sondern riefen erst einen „Supervisor“ zu Hilfe; in dieser Zeit randalierte die Frau weiter.

Kunstsammler Friedrich Christian Flick reagierte nach Angaben von Klaus-Dieter Lehmann, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz „schockiert“ auf die Nachricht. „Das ist wie ein körperlicher Schmerz für ihn“, sagte Lehmann. Auch ihn habe die Nachricht getroffen „wie ein Schlag in die Magengrube“. Er habe gegen 21.30 Uhr von dem Vorfall erfahren, als er von einer Podiumsdiskussion kam. Ereignet hatte sich die Randale-Aktion gegen 20 Uhr.

Die 35-Jährige war schon mehrfach aufgefallen: Vor drei Wochen etwa soll die Frau bei der Trauerfeier für den FDP-Politiker Günter Rexrodt gestört haben – mit Sätzen wie „Rexrodt, ich liebe dich, du bist nicht tot!“ Anzeige wurde nicht erstattet. „Das war dieselbe Frau“, sagte Kirchenwart Uwe Temme. Die Frau habe verwirrt gewirkt. Diesen Eindruck hatten auch die Beamten, die sie am Mittwoch abführten. Sie wurde einem Polizeiarzt vorgestellt. Der entschied, dass „kein akuter psychologischer Notfall“ vorliegt. Nachdem ihre Personalien festgestellt wurden, durfte sie wieder gehen.

Im Hamburger Bahnhof war die Stimmung unter Wachpersonal und Museumsmitarbeitern gestern gereizt. „Was soll denn gewesen sein?“ - „Ich sage lieber nichts“ – „Ich war nicht da“: Niemand wollte über den Vorfall sprechen. In der Haupthalle und im Eingangsbereich war wesentlich mehr Personal als am Mittwoch. Der Ort des Anschlags im ersten Stock des Hamburger Bahnhofs, gleich oberhalb der Cafeteria, blieb gestern geschlossen – wegen Renovierungsarbeiten, die „einige Tage andauern“, hieß es.

Die für die Sicherheit in den Ausstellungshallen zuständige Berliner Wachschutzfirma AMZ schweigt zu dem Vorwurf, nicht konsequent genug eingegriffen zu haben. „Wir geben zu unseren Einsätzen grundsätzlich keine Einzelheiten bekannt“, sagte ein AMZ-Mitarbeiter. Ein Einsatzleiter der Firma sagte hinter vorgehaltener Hand, in dem betreffenden Ausstellungsraum sei nur eine „zierliche Frau als Aufsichtsperson“ gewesen. Dieser Darstellung widerspricht Lehmann. Es seien zwei Wächter dort gewesen, ein Dritter sei hinzugekommen. Der Einsatzleiter fügte hinzu, seine Wachleute könnten nur dann „handgreiflich werden, wenn sie selber bedroht werden oder die Absicht einer Sachbeschädigung vorliegt“. Das sei in dem Fall nicht erkennbar gewesen.Ha, fk, SB

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