Einbahnstraßen und weniger Kneipen : Um den Nollendorfplatz soll es ruhiger werden

Im Kiez zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz soll es ruhiger werden. Motzstraße und Nollendorfstraße werden zu "unechten" Einbahnstraßen, der Bezirk erlaubt weniger Kneipen und Restaurants.

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Auf Kollisionskurs. Das Trottoir in der Maaßenstraße teilen sich Fahrradfahrer, Fußgänger und die Gäste der Cafés. Viele Anwohner finden einen Radweg auf der Fahrbahn wegen der Enge besser. Doch noch ist keine Lösung gefunden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
19.09.2012 16:55Auf Kollisionskurs. Das Trottoir in der Maaßenstraße teilen sich Fahrradfahrer, Fußgänger und die Gäste der Cafés. Viele Anwohner...

Der Kiez zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz wird beruhigt – und das auf verschiedene Weise. Zum einen ist künftig die Einfahrt in Motz- und Nollendorfstraße wird von westlicher Seite nicht mehr möglich. Dies soll verhindern, dass Autofahrer eine Abkürzung durch den Kiez nehmen, wie Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) mitteilte. Und zum anderen will das Bezirksamt neue Kneipen und Cafés im Kiez untersagt. Blaue Markierungen grenzen obendrein die Flächen der Außengastronomie auf den Gehwegen ab. Damit gehen lang gehegte Wünsche vieler Anwohner in Erfüllung, was auch die Diskussion anlässlich der „Platz da!“-Aktion des des Tagesspiegel gezeigt hatte. Anschließend hatte ein Mediator im Auftrag des Bezirksamts mit Anwohnern, Gewerbetreibenden, Bezirksverwaltungen gesprochen. Am 1. November findet eine Diskussionrunde mit Bürgern zum weiteren Vorgehen statt. Die von manchen Schönebergern geforderten Bodenschwellen zur Verkehrsberuhigung baut der Bezirk aber nicht – offenbar aufgrund eines Gerüchts.

„Diese Kissen erzeugen eine erhöhte Gefährdungssituation und werden in Berlin nicht mehr angeordnet“, sagte Ordnungsstadtrat Oliver Schworck (SPD). Darauf hätten sich die Bezirke verständigt, nachdem ein Rettungswagen über eine Schwelle gefahren, der Patient von der Liege gefallen und gestorben sei. Allgemein würden Schwellen die Fahrten von Rettungsfahrzeugen behindern. Bei DRK, Feuerwehr und in anderen Bezirken weiß man von solch einem Vorfall nichts. Kissen und Schwellen seien „weiterhin ein probates Mittel“, heißt es in Charlottenburg-Wilmersdorf. Selbst der Initiator der „Moabiter Kissen“, Mittes früherer Baustadtrat Horst Porath, nennt die Geschichte „ein böswilliges Gerücht von Gegnern“. Während Friedrichshain-Kreuzberg neue Schwellen plant, baut Marzahn-Hellersdorf keine mehr - weil die Autofahrer nach dem Abbremsen lautstark weiterrasen würden.

Was Landschaftsplaner für den Nollendorfplatz vorsehen. Der Bezirk hat für eine komplette Umgestaltung nach eigenen Angaben kein Geld:

Nollendorfplatz - Die Vision
Die Aufenthalts- und Verweilqualität des Nollendorfplatzes zu stärken, ist das Ziel aller Arbeiten des Studienprojekts, das Astrid Zimmermann am Masterstudiengang Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität betreut hat. Janika Schmidt (30) und Janine Teßner (24) haben ihre Konzepte für unsere Serie ein Stück weiterentwickelt. Teßner behält die Straßenführung der Kleist- /Bülowstraße bei, lässt dafür aber an den Einmündungen der Seitenstraßen insgesamt vier markante Plätze vor den "zulaufstarken" entstehen.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Simulation: Janine Teßner und Janika Schmidt. TU-Masterstudiengang Landschaftsarchitektur
07.06.2012 16:13Die Aufenthalts- und Verweilqualität des Nollendorfplatzes zu stärken, ist das Ziel aller Arbeiten des Studienprojekts, das Astrid...

Raser will Schworck in Schöneberg anders abbremsen. Derzeit werde geprüft, ob der Radweg in der Maaßenstraße vom Gehweg auf die Straße verlegt werden könne. So wird auch die Straße schmaler. Das wollen aber nicht alle Anwohner, sagt Sibyll Klotz (Grüne), Stadträtin für Stadtentwicklung. Denn beim Ausparken müssten sie dann verstärkt auf Radler achten. „Im Zweifel machen wir es und probieren es ein Vierteljahr aus“, sagt Bürgermeisterin Schöttler. Schworck überlegt, den Straßenquerschnitt im Kiez durch eine andere Parkstellung der Autos zu verringern. Wegen der rasenden Autos, über die sich Anwohner beschweren, habe er sich an die Polizei gewandt.

„Raserei kann nicht bestätigt werden“, sagt ein Polizeisprecher, ebenso der Verdacht auf getunte Auspuffanlagen. Lärmbeschwerden führt man auf den „regen Parksuchverkehr wegen der angespannten Parkraumsituation“ und die Außengastronomie zurück, weil sich dort „ein multikulturelles Kneipen- und Kiezmilieu entwickelt“ habe. „Abends geht es um eine bestimmte Klientel, die den Ärger provoziert“, sagt Schworck. Die in Autos durch den Kiez rase, um zu beeindrucken. Rocker auf Motorrädern, Migranten in Sportwagen, sagt Hubert Pelz von der Initiative „Lärmfreie Nolle“. Die Kritik, dass das bezirkliche Ordnungsamt zu selten kontrolliert, weist Schworck zurück.

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