Einbruch am Ku’damm : Bande bedankte sich für "Bankjob 2008"

Witzbolde: Die dreisten Täter hinterließen der Commerzbank eine Botschaft, nachdem sie etliche Schließfächer des Geldhauses am Kurfürstendamm leergeräumt hatten. In gelber Farbe schrieben sie etwas an die Kellerwand, was auf einen aktuellen Kinofilm verweist.

Jörn Hasselmann
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Erst hat die Bande unbemerkt die Schließfächer der Commerzbank leergeräumt – und sich dann auch noch mit einem Witz verabschiedet: „Thanks – Bankjob 2008“ schrieben die Einbrecher am Wochenende in Commerzbank-gelber Farbe an die Kellerwand. „Bankjob“, also Banküberfall, heißt ein Film, der derzeit in den Kinos läuft. Der Inhalt des Streifens: Eine Bande stemmt sich in den Tresorraum einer englischen Bank durch und leert die Kundenschließfächer. Der Diebstahl, nach einer „wahren Begebenheit“ gedreht, wurde nie aufgeklärt.

Von einem Ermittlungserfolg scheint derzeit auch die Berliner Polizei weit entfernt. Die erhoffte Hilfe aus der Bevölkerung blieb bislang aus. Nur „drei oder vier Anrufe“ gab es beim Zeugentelefon, sagte ein Polizeisprecher: sie halfen nicht weiter. Wie berichtet, hatten mindestens vier Männer von Sonntagmittag bis Montag früh in der Filiale am Kurfürstendamm mindestens 100 Kundenschließfächer aufgebrochen. Zur Höhe der Beute machen weder Ermittler noch Bank Angaben. Dringend sucht die Polizei Zeugen, die zum Beispiel aus dem gegenüberliegenden Café Männer oder Fahrzeuge beobachtet haben. Denn nicht einmal die genaue Tatzeit ist bislang bekannt. Um 14 Uhr am Sonntag hatte einer der Mieter des Hauses Lärm im Keller bemerkt, dieses jedoch für normalen Baulärm gehalten. Denn das repräsentative Eckgebäude zur Leibnizstraße wird seit Monaten mit Millionenaufwand komplett umgebaut und saniert. Die Fassade ist mit Gerüsten und Planen versehen, das Erdgeschoss zusätzlich auf dem Gehweg mit hohen Bretterwänden abgeschottet.

Auch an die Pläne des Hauses hätten die Täter leicht herankommen können. Denn die Arbeiten waren im November 2007 ausgeschrieben worden. Interessierten Baufirmen wurden dann vom Bauherrn exakte Pläne des Hauses zugeschickt, unter anderem „Positionspläne Baustatik im Maßstab 1 : 100“. Anhand dieser Pläne hätten sich die Täter über eventuelle Hindernisse informieren können, zum Beispiel wie dick die Wände sind. Am Dienstag hatte die Polizei von „gut informierten“ Tätern gesprochen.

Da es durch die Bauarbeiten innerhalb des Hauses mehrere Durchbrüche in den Keller gibt, konnten die Täter schnell und unbemerkt ins Innere gelangen. Dort stemmten sie dann die Wand zum Tresor auf. Auf den Einsatz von elektrischen Stemmhämmern und Meißeln verzichteten sie – vermutlich um weniger Lärm zu machen. Die Ermittler sind nun dabei, die Bauarbeiter zu befragen, welche Werkzeuge ihnen gehören, um so zu ermitteln, was die Täter mitbrachten. Offensichtlich haben sie eigene und fremde Geräte genutzt.

Im Tresorraum öffneten sie etwa die Hälfte der 500 Schließfächer. Da davon knapp die Hälfte vermietet war, sind gut 100 Kunden betroffen. Heute will die Bank die Betroffenen schriftlich informieren. Versichert ist jedes Fach mit bis zu 26 000 Euro. Pech hat, wer Geld deponiert hat. Dieses werde nicht ersetzt, sagte ein Sprecher. Noch nicht geklärt sei, wie die Bank und deren Versicherung den Kunden entgegenkommen wird, die persönliche Dokumente oder Erbstücke eingeschlossen hatten. Wie berichtet, hatte der für die Privatkunden zuständige Abteilungsleiter von einem „Super-GAU“ für die Bank gesprochen. Der erlittene Vertrauensverlust sei „furchtbar“.

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