• Einbruch im Bürgeramt Berlin-Halemweg: Pässe, Bankformulare und Dienstsiegel locken die Diebe

Einbruch im Bürgeramt Berlin-Halemweg : Pässe, Bankformulare und Dienstsiegel locken die Diebe

Wieder versuchten Unbekannte im Bürgeramt Halemweg einzubrechen. Der große Raub scheiterte diesmal an einem einbetonierten Tresor. Geklaute Pässe, Bankformulare und Dienstsiegel vom vorherigen Einbruch im April sind auf dem Schwarzmarkt heiß begehrt.

von
Unbekannte haben versucht, fertige Pässe sowie Blankformulare und Dienststempel vom Bürgeramt Halemweg in Charlottenburg-Wilmersdorf zu erbeuten.
Unbekannte haben versucht, fertige Pässe sowie Blankformulare und Dienststempel vom Bürgeramt Halemweg in...Foto: dpa

Der Vizebürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), hat eine weitere Verschärfung der Sicherheit in Bürgerämtern angekündigt. Hintergrund ist der jüngste Versuch von Unbekannten, Formulare und Pässe aus der Behörde zu stehlen. Gröhler sagte, dass sich die zuständigen Stadträte auf ihrer nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen würden: „Ziel muss ein einheitliches Sicherheitsniveau in allen Berliner Bürgerämtern sein.“

Schaden in Höhe von 10 000 Euro

Bei dem jüngsten Versuch, den Tresor im Bürgeramt Halemweg zu knacken, waren die Täter gescheitert – weil der Bezirk die Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht hatte. Im April hatten Unbekannte aus dem Bürgeramt Blankoformulare, Dienstsiegel und fertige Pässe erbeutet. In der Nacht zu Sonnabend scheiterten die Täter daran, den einbetonierten Tresor zu öffnen. Da sie aber mehrere Sicherheitstüren aufbrachen, bleibt das Amt voraussichtlich vier Wochen geschlossen. Der Tresor ist so lange leer, berichtete Gröhler – um die Täter vor einem dritten Versuch abzuhalten. Den Schaden beim jüngsten Einbruch schätzt der Bezirk auf eine Summe von mindestens 10 000 Euro.

Bislang sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Bezirken unterschiedlich; nicht einmal Vorschriften zu Mindeststandards in Bürgerämtern gibt es. Dem Vernehmen nach gibt es nicht einmal überall Alarmanlagen. 2011 hatten Unbekannte einen 300-Kilo-Tresor aus dem Bürgeramt Schlesische Straße in Kreuzberg gestohlen – mit einer Sackkarre. Dies könne in Charlottenburg-Wilmersdorf nicht mehr gelingen, sagt Gröhler. Dort seien die Tresore so schwer, dass „eine Sackkarre zusammenbrechen würde“.

Hehlerwaren auf dem Schwarzmarkt

Gröhler ist sich sicher, dass die im April erbeuteten Formulare auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Für Kriminelle sind sowohl fertige Pässe als auch nicht ausgefüllte Formulare attraktiv. Für fertige Ausweise muss eine von der Größe passende Person gesucht werden, die dann ihr Aussehen dem Bild anpassen muss. Vor einiger Zeit hatte eine Deutsche Botschaft in Afrika dem Bezirk mitgeteilt, dass derartig missbrauchte Pässe sichergestellt worden seien. Diese waren bei einem Einbruch in das Bürgeramt Heerstraße im September 2009 erbeutet worden. An deutschen Grenzen würden gestohlene Pässe oder Eigenkompositionen auf Blankoformularen auffallen, da die Seriennummern sofort zur Fahndung ausgeschrieben werden. Im Ausland dagegen falle es in der Regel nicht auf, wenn ein gestohlener deutscher Pass oder Ausweis benützt werde, sagte Gröhler.

Eine Geschichte von Einbrüchen

2009 hatte es eine regelrechte Serie von Einbrüchen gegeben, gefasst wurden die Täter nie. Innerhalb einer Woche stahlen Unbekannte mehr als 5000 Formulare, allein 4700 Visaformulare und Aufenthaltserlaubnisse in der Ausländerbehörde in Moabit. Bei einem Einbruch in das Bürgeramt in Prenzlauer Berg am gleichen Wochenende hinterließen die Täter ein Anarchiezeichen und die Parole „Class War“ („Klassenkampf“). Deshalb war spekuliert worden, dass Linksextremisten hinter den Taten stecken, die Asylbewerbern oder illegal hier lebenden Ausländern zu Dokumenten verhelfen wollten.

2006 war eine Mitarbeiterin des Bezirksamts Mitte festgenommen worden, die einen Hunderterblock Duldungsbescheinigungen an vietnamesische Schleuser verkauft haben soll – zum Stückpreis von 2000 Euro, wie es damals hieß. Diese Summe dürfte also den Wert auf dem Schwarzmarkt darstellen, hieß es. Da die Tatverdächtige den Block damals vor der Registrierung verschwinden ließ, war der Fall längere Zeit nicht bemerkt worden.

Schon die Rote Armee Fraktion (RAF) hatte in den siebziger Jahren mit Einbrüchen in Rathäuser ihr Leben mit falschen Identitäten organisiert. Blankopässe sind aber in der Vergangenheit auch bei Hooligans und in der Türsteherszene gefunden worden.

Doch selbst die Siegel des Bezirksamtes sind attraktiv: Ein gefälschtes Abschlusszeugnis oder Meisterbrief könne mit dem Siegel: „Kopie stimmt mit Original überein“ zum vermeintlich echten Dokument geadelt werden, berichtete der Stadtrat.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar