Einbruchszeit : Berliner sollen verdächtige Spaziergänger melden

Die Polizei bittet Anwohner in Reinickendorf um Hilfe. Wer auffällige Autofahrer oder neugierige Fremde im Kiez entdeckt, soll den Notruf wählen. Hysterie oder ganz einfach Realität?

Rainer W. During
Hier ist's schon zu spät. Ermittler sichern Spuren nach einem Einbruch
Hier ist's schon zu spät. Ermittler sichern Spuren nach einem EinbruchFoto: dpa

Wer künftig bei der Parkplatzsuche immer wieder und ganz langsam durch eine Reinickendorfer Wohnstraße fährt, könnte schnell einer Funkstreife erklären müssen, was er dort so alles zu suchen hat. Gemeinsam mit der örtlichen Polizeidirektion hat das Bezirksamt eine Kampagne zur Reduzierung von Einbrüchen gestartet, die auf Verdachtsmeldungen aufmerksamer Bürger zielt.

Am Donnerstag hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) mitgeteilt, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Berlin leicht rückläufig ist, während die Einbrüche in Einfamilienhäuser zugenommen haben. Ähnlich sieht es auch in Reinickendorf aus, so der Leiter der Polizeidirektion 1, Bernhard Kufka.

Die Sommerzeit endet, es wird noch früher dunkel

Mit dem Ende der Sommerzeit wird es ab dem Wochenende noch früher Dunkel, begründet Bürgermeister Frank Balzer (CDU) den Zeitpunkt für den Start der bezirklichen Kampagne. Denn die meisten Einbrüche ereignen sich in der Zeit zwischen 16 und 21 Uhr. Ab Montag werden an Haushalte des Bezirks 100.000 Flyer verteilt und in den öffentlichen Gebäuden 250 Plakate ausgehängt, mit denen die Bürger nicht nur Tipps bekommen, wie sie sich gegen Einbrüche schützen können. Sie werden auch aufgefordert, verdächtige Beobachtungen schneller zu melden. Denn bisher zögern viele, die Nummer 110 zu wählen.

So hat am Donnerstag ein Reinickendorfer der Polizei erst drei Stunden später per E-Mail gemeldet, dass ein Mann um sein Haus geschlichen ist und in die Fenster geschaut hat. Zur Rede gestellt habe der Unbekannte behauptet, er wolle sich nach der nächsten Tankstelle erkunden. Hätte der Betroffene gleich zum Telefon gegriffen, hätte man eine Chance gehabt, den Verdächtigen zu stellen und zu überprüfen, so Polizeidirektor Kufka.

Polizei: Notieren Sie sich das Kennzeichen

So sollen Anwohner die Polizei nicht nur dann rufen, wenn sie Scheibenklirren oder eine Alarmanlage hören. Sondern auch dann, wenn sich Fremde in ihrem Wohngebiet auffällig verhalten oder beispielsweise als vorgetäuschte Handwerker Einlass in Gebäude begehren. Auch sollen sie sich die Kennzeichen notieren, wenn Autos mehrfach langsam durch die Straße fahren oder der Eindruck entsteht, dass aus parkenden Fahrzeugen heraus die Umgebung beobachtet wird.
Die Polizeiabschnitte 11 und 12 setzen außerdem ab sofort ein Infomobil ein, dass die Anwohner tagesaktuell nach Einbrüchen in ihrem Kiez alarmiert. „Aktuelle Warnung! Einbrecher zur Tageszeit aktiv, Hinweise bitte an 110“ steht daran zu lesen. Das Bezirksamt bittet zudem um Hinweise auf Gefahrenstellen, wo Hecken oder Bäume zurückgeschnitten werden müssen, weil sie den Blick auf Eingänge oder Ähnliches verdecken.

In anderen Bezirken gibt man sich zurückhaltend. Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) will erst einmal die Reaktionen der Bürger in Reinickendorf abwarten und sehen, ob man dort nicht auch „eine gewisse Hysterie“ schürt bei der überempfindliche Hausbesitzer letztendlich den Polizeinotruf lahmlegen. „Wenn es sich in Reinickendorf bewährt, übernehmen wir das gerne für Spandau“, so Kleebank.

Auch in Treptow-Köpenick reagiert man eher skeptisch. Man sehe „keine Notwendigkeit“ für eine Informationskampagne wie in Reinickendorf. Die Bevölkerung sei „nach hiesiger Einschätzung umfassend über die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit der Polizei“. Das Bezirksamt begrüße "ausdrücklich Präventionsmaßnahmen wie den Tag des Einbruchschutzes der Berliner Polizei am kommenden Sonntag“-

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