Berlin : Eine blaue Hose – und das bei Rot-Weiß

Heute liefern sich Boris Becker und Michael Stich einen Schaukampf. Stich war der Erste beim Training

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Wilmersdorf. Punkt Zwölf ging ein Geraune durch die wenigen Tennisfans, die sich eher zufällig auf dem Centre Court an der Hundekehle eingefunden haben, um die Vorbereitungen zu beobachten, etwa das Kabelverlegen für die Fernsehübertragung. Dass aber einer der Stars schon kam, war eine kleine Sensation. Michael Stich betrat den Sand, schaute kurz die leeren Tribünen hoch, ging auf seinen Trainingspartner Andreas Strauchmann zu: Händeschütteln, und schon begann ein Klasse-Spiel. Ganz umsonst. Erste Kostprobe des heutigen Großerereignisses: Boris Becker und Michael Stich kommen zum Nostalgie-Match zusammen und die Tennis-Nation schaut gebannt auf die Ikonen von einst. Die 7000 Eintrittskarten sind seit einer Woche ausverkauft, die ARD überträgt ab 15 Uhr das Spiel live.

Michael Stich hatte zumindet am Sonnabend die Nase vorn, weil Boris Becker erst für den späten Nachmittag angekündigt war. Aber die Hose, die Stich trug, gefiel nicht jedem. Einige der Tennisfans schüttelten die Köpfe, aber es schien eher ein vergnügtes Missbehagen. Die Stich-Hose war blau, und das geht bei Rot-Weiß eigentlich nicht, da mag man es lieber weiß. Aber was sind derartige Einwände gegen die Vorfreude! Heute ist Großschaukampf, von einem anspruchsvollen Rahmenprogramm umgeben. Tennis soll in Deutschland wieder populärer werden, und Rot-Weiß will ein Zeichen setzen, wie Geschäftsführer Dietmar Hingst gestern sagte.

Rund 250 000 Euro kostet die Veranstaltung, deren Erlös wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt wird. Das Spiel ist als Reise in die Vergangenheit gedacht, als Erinnerung beispielsweise an das Wimbledon-Endspiel 1991, das Stich übrigens gewann, auch wenn der Schiedsrichter zunächst „Mister Becker“ als Sieger ausgerufen hatte. Beide Spieler waren damals nicht unbedingt dicke Freunde. Acht Wochen wurde das heutige Match vorbereitet, für eine Großveranstaltung dieser Art mitten im Sommer ist das nicht viel Zeit. Turnierdirektor Eberhard Wensky wirbelte gestern herum, als müsse vieles erst noch organisiert werden. Er schwärmte vom „ultimativen Schaukampf“ und berichtete, dass man gut und gern 10 000 Tickets hätte verkaufen können. Klubmanager Rüdiger Lorenz versprach gestern „Rot-Weiß-Wetter“ - und das bedeutet: blauer Himmel.C. v. L.

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