Berlin : Eine Der-die-das-Box für mehr Spaß an der Sprache

Welche Artikel gehören zu welchen Wörtern? Eine Schulleiterin und ihr Konzept fürs Deutsch lernen

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Ohne Grundwortschatz geht gar nichts – das jedenfalls hat die Leiterin der JohannGeorg-Elser-Grundschule, Gisela Klatt, im Laufe ihrer Arbeit festgestellt. Jahrelang hat sich die promovierte Germanistin mit zweisprachiger Erziehung befasst, vor allem in Hinblick auf den Schulerfolg. Die gesellschaftliche Schicht, so hat sie herausgefunden, spiele dabei eine entscheidende Rolle. Bei Kindern der Unterschicht und Ausländerkindern sei der Wortschatz häufig nicht sonderlich gut ausgeprägt. „Diese Kinder sind sprachlich benachteiligt, können sich nicht gut artikulieren, sich also auch nicht richtig sprachlich auseinander setzen und diskutieren“, erklärt Gisela Klatt.

Diese Erfahrungen hat sie auch in der 1989 gegründeten Kita gemacht, in der sie ausländische und deutsche Kinder hauptsächlich aus dem „problembeladenen Schillerpromenaden-Kiez“ betreut hat.

Deshalb entwickelte die Pädagogin eigene Sprachmaterialien mit denen die Kinder erst einmal den Grundwortschatz erlernen. „Je früher, desto besser“, sagt Gisela Klatt. Kinder, die bereits mit drei Jahren in ihrer Kita betreut werden, sprächen zum Schulbeginn ,gutes und richtiges Deutsch“. Aber auch Dritt- oder Viertklässler, die sie jetzt in der neugegründeten Privatschule unterrichtet, hätten oftmals erhebliche Sprachprobleme. Auch bei ihnen fängt sie „ganz unten an“.

„Sinnlich wahrnehmen“ sollen die Kinder die Begriffe. Nur zu korrigieren, dass es „der Baum“ und nicht „die Baum“ heißt, bringe nichts, meint Klatt. Die Kinder in ihrer Einrichtung nutzen die von ihr entwickelte „Der-die-das-Box“, mit der sie anhand von farblich gekennzeichneten Kästen lernen, die Artikel den Wörtern aus dem Grundwortschatz zuzuordnen. „Sie sollen über Gewöhnung Artikel lernen, nicht über Korrektur“, erklärt die Pädagogin.

Eine weitere Methode ist, Wörter mit Bildern zu verbinden. „Die visuelle Unterstützung ist wichtig, um die Sprache zu lernen.“ Hier legen die Schüler einfache Sätze, wie beispielsweise „Der Hund kann bellen und beißen“ anhand von Symbolkärtchen: Jedem Begriff ist ein Symbol zugeordnet. „Beim Kärtchen-Legen sprechen die Kinder laut mit“, sagt Klatt.

Die Erfahrungen, wie man ihrer Ansicht nach Kindern am besten Deutsch beibringt, hat Gisela Klatt nicht zuletzt 1992 gesammelt. Da hatte sie das Projekt „Deutschkurse für ausländische Kinder“ im so genannten „sozialen Brennpunkt“, dem Schillerpromenaden-Kiez in Neukölln, gestartet. In Spitzenzeiten unterrichtete sie mit ihren ehrenamtlichen Helfern, alles Studenten, rund 260 ausländische Kinder einmal pro Woche nachmittags zwei Stunden lang.

Zwar ist das Projekt bereits 1995 wegen Geldmangels eingestellt worden, dennoch konnte Klatt noch eine Dokumentation erstellen. Die Ausländerbeauftragte Barbara John hatte dies finanziell unterstützt. Für die Dokumentation sind Tests gemacht worden, die die Qualität des pädagogischen Konzepts untersuchen. „Die von uns betreuten Kinder weisen Lernfortschritte im Vergleich zu denen auf, die nicht an unserem Projekt teilgenommen haben“, sagt die Leiterin. tabu

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