Berlin : Eine echte Picasso

Enkelin besuchte die Ausstellung des Malers in der Nationalgalerie

Christian Helge Röfer

Sie hat einen großen Namen und ziemlich viel Ähnlichkeit mit dem, der ihn groß gemacht hat: Diana Widmaier-Picasso ist die Enkelin Pablo Picassos. Die 34-jährige Kunsthistorikerin aus Paris hielt am gestrigen Mittwoch in der Neuen Nationalgalerie einen Vortrag: „Picasso – Kunst ist immer erotisch“. Unter diesem Titel ist gerade ein von ihr erstellter Katalog erschienen.

„Es war eine tolle Reise durch das erotische Werk meines Großvaters“, sagt sie beim Bummel durch die aktuelle Ausstellung „Pablo. Der private Picasso“. „Ich bin tief in seine Intimität eingedrungen, aber es ist unmöglich, Picassos Kunst zu verstehen, wenn man seine reichen sexuellen Erfahrungen übersieht.“ Und immer wenn sie versucht habe, ihn zu verstehen, habe sie auch einen Teil von sich selbst verstanden, sagt Diana. Was genau sie da herausgefunden hat, will sie nicht verraten. Nur über den Umweg ihres Großvaters, den sie selbst nie kennen gelernt hat. Der sei für sie „ein sehr ehrlicher und einfühlsamer, zugleich aber auch exzessiver, gefährlicher, ja brutaler Mensch“ gewesen. Ihre dunklen Augen funkeln und sie lächelt breit.

Diana Widmaier steht vor einem Gemälde, das Picasso 1938 von ihrer Mutter Maya, seiner ältesten Tochter, gemalt hat. „Er hat sie wunderbar getroffen. Sie sieht heute, mit 70 Jahren, noch genauso aus“, meint Diana. Maya hat später das Gesamtwerk ihres Vaters katalogisiert. „Sie kannte ihn besser, als jeder sonst, zur privaten Kenntnis kam die fachliche Auseinandersetzung.“ Picasso habe sie sehr geschätzt: „Es war eine ganz besondere, intime Beziehung zwischen Vater und Tochter“, sagt Diana. Sie hat Kunstgeschichte studiert und sich zunächst bewusst auf das 17. Jahrhundert spezialisiert – bis ihr Interesse am Werk ihres Großvaters so groß wurde, dass sie sich intensiv mit ihm auseinander setzte. „Aber es ist bizarr, ein Familienmitglied zu studieren“, sagt sie. Es sei auch sonderbar, die Bilder zu sehen – besonders die intimen, privaten, die in Berlin hingen, sagt sie. Ihr Lieblingswerk Picassos hänge in ihrem Wohnzimmer, sagt Diana Widmaier: Eine Zeichnung aus dem Jahr 1935, das ihre Großmutter Marie-Thérèse Walter kurz nach Mayas Geburt zeigt. „Diese Studie drückt eine solche Intimität aus, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein“, sagt sie. Und sie sagt auch, sie sei durch die Bilder „in dem Glauben aufgewachsen, dass meine Großmutter immer nackt war und schlief – aber das stimmte nicht.“

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