Berlin : Eine feine Villa voller Berlin-Geflüster

Willkommen im Salon: Sibylle Senff und Sabine Kirstein laden regelmäßig zu Konzerten, Lesungen und Gesprächen nach Grunewald ein

Sabine Beikler

Die eine ist ruhig, introvertiert, die andere kommuniziert dagegen gern und ist eher die Extrovertierte. Ein Gegensatz, der bei den gebürtigen Berlinerinnen Sabine Kirstein und Sibylle Senff zu einer ungewöhnlichen künstlerischen und äußerst stilvollen Symbiose geführt hat: Vor einem halben Jahr haben Senff und Kirstein den Salon „Berlin-Geflüster“ in Grunewald eröffnet. Ein „Ruhepunkt“, sagen die beiden, für weltoffene Menschen, die in einer 1912 erbauten großzügigen Mietvilla zwischen Stadtrand und Waldgebiet zwanglos zusammentreffen können. Kirstein und Senff, die sich vor acht Jahren auf einer Skipiste in Italien kennen gelernt haben, zeichnet das feine Gespür für das Besondere aus, für die perfekte Verbindung von sinnlichen Genüssen und kulturellen Ereignissen in einer kultivierten Umgebung. Durch den Empfangsraum, Lesesaal, Esssalon und Wintergarten zieht sich ein sattes Bordeauxrot – seien es die Loomchairs, Rosen, Kerzen oder die kleinen und feinen Accessoires. Eigene Mittel und geliehenes Geld flossen in die Inneneinrichtung.

Sibylle Senff kommt ursprünglich aus der Architektur- und Baubranche, ist Anfang der 90er Jahre, wie sie sagt, in das „Schmuckdesign ausgebrochen“ und hat sich anschließend auf Stadtbegleitungen der besonderen Art spezialisiert. Sie weihte Besucher, die nicht nur auf dem Kurfürstendamm flanieren wollten, in die Geheimnisse Berlins ein. Durch das Zehlendorfer Elternhaus habe sie schon immer den „Hang zu schönen Dingen“ gehabt, erzählt die 50-Jährige. Ihr Vater, vor dem Krieg Abteilungsleiter für Heimtextilien im Kaufhaus Wertheim am alten Leipziger Platz, handelte später mit Teppichen und Gardinen. Von ihm hat sie die Schwäche für den Art-Déco-Stil geerbt.

Ihre Freundin Sabine Kirstein ist ebenfalls im Westteil der Stadt, in Britz, aufgewachsen. Die 48-Jährige stammt aus einer Kaufleute- und Handwerkerfamilie. Über berufliche Umwege als gelernte Steuerfachgehilfin eröffnete sie 1996 mit einer anderen Berlinerin das nordöstlich von Strausberg gelegene Hotel Schloss Reichenow, dessen 22 Zimmer mit antiquarischen oder selbst entworfenen Möbeln eingerichtet sind.

Schon bald nachdem sich Sabine Kirstein und Sibylle Senff kennen gelernt hatten, entwickelten sie die Idee, die klassische Berliner Salonkultur wiederaufleben zu lassen. Mehrere Räumlichkeiten wurden ihnen angeboten, „Klick“ aber habe es gemacht, erzählen beide, als sie Anfang letzten Jahres mit einem Makler vor dem alten Kamin in der Empfangshalle der Grunewald-Villa standen.

„Ich hatte immer Lust, mit Sibylle zusammenzuarbeiten“, sagt Sabine Kirstein und fügt sehr bescheiden hinzu: „Sie ist die Seele des Ganzen, ich bin mehr der kleine Motor.“ Seit der Eröffnung bieten sie Konzerte, Tanzabende oder Lesungen an oder vermieten die Räume für Businesstreffen oder Privatfeiern. Den Salon finanzieren sie aus den Eintrittsgeldern oder Mieten. Ihr Erfolgsrezept bringen Sibylle Senff und Sabine Kirstein auf einen Nenner: „Die richtige Mischung macht es.“ In diesem Punkt sind sich die beiden unterschiedlichen Frauen sehr einig.

Salon Berlin-Geflüster, Koenigsallee 72, Grunewald, Telefon 891 26 76 oder im Internet unter www.berlin-gefluester.de

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